Stadtfamilienrat Bautzen: Familienplenum brachte gute Ergebnisse

Bautzen / Budyšín, 9. Juli 2013. Das Familienplenum des Stadtfamilienrates Bautzen zum Schul- und Kita-Essen in Bautzen am vergangenen Freitag soll zu konkreten Ergebnissen führen. So signalisierte die Stadtverwaltung Bautzen als Träger von zahlreichen Schulen, man wolle prüfen, wie die Getränkeversorgung in den Schulen verbessert werden könne. Dies hatten einige Eltern gefordert. "Wir werden allerdings keine Cola- und Kaffeeautomaten aufstellen“, betonte Bürgermeister Michael Böhmer. Über die Versorgung mit Wasser könne man jedoch sprechen.

Lieferanten des Schul- und Kita-Essens am Plenum beteiligt

Die Versorgung mit Getränken war allerdings nur ein Aspekt in der Diskussion um mehr Qualität im Schulessen. Die Referentin des Abends, Ernährungswissenschaftlerin Julia Zichner aus Radeburg, wies darauf hin, dass eine gesunde Schulverpflegung nur durch das gemeinsame Zusammenspiel von Eltern, Schulleitung, Lehrern, Schulträger und Essensanbieter gelingen könne.

"Eltern sollten nicht das Gesicht verziehen, wenn es Vollkornnudeln gibt und Lehrer sollten häufiger am Schulessen teilnehmen“, forderte Zichner. Zudem sei das Wissen um gutes Essen im Unterricht zu vermitteln. "Ziel ist es, die Kinder auch in ihrem Ernährungsverhalten positiv zu prägen“, so die Referentin weiter. Auch spielten die Pausenzeiten eine Rolle. Diese würden den Schülern oft nicht ausreichend Zeit für eine Mahlzeit lassen. Eine Einschätzung, die die anwesenden Eltern bestätigten.

Um gesundes Essen in den Bauch zu bekommen, wurden zum Familienplenum Kriterien vorgestellt, die von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung als Qualitätsmerkmale für eine gesunde Verpflegung aufgestellt wurden. So müsse auf Geschmacksverstärker, künstliche Aromen, Süßstoffe und Alkohole verzichtet werden. Auch habe Formfleisch nichts auf den Kindertellern verloren. Käse müsse ebenfalls echter Käse sein. Obst gehöre jeden Tag auf den Tisch. Süße Hauptgerichte seien maximal an zwei Tagen im Monat erlaubt.

Augenmerk müsse zudem auf die Warmhaltezeit gelegt werden: Verlässt das Essen den Herd der Großküche so sollte es maximal drei Stunden dauern, bis das letzte Kind sein mindestens 65 Grad warmes Essen auf dem Tisch hat. Nicht alle Kriterien seien dabei immer umsetzbar, vielmehr dienten die Standards dazu, so viel wie möglich davon umzusetzen.

Qualitätskriterien überwachen

Mit Blick auf die geplante Neuausschreibung des Essens von Schulen und Kitas in Trägerschaft der Stadt Bautzen empfahl Zichner, auch die älteren Schüler an dem gemeinsamen Gremium aus Stadträten, Eltern, Verwaltung und Schulleitung bzw. Lehrern zu beteiligen. Auch sei es ratsam, bei der Bildung eines Schulverpflegungsausschusses zur Vorbereitung einer Ausschreibung mindestens genauso viele Eltern wie Lehrer ins Gremium zu holen. Die darin entsandten Personen könnten dann auch darüber wachen, ob vertraglich vereinbarte Qualitätskriterien eingehalten werden.

Für den Fall, dass dies nicht passiert, mahnte Zichner die Aufnahme von möglichen Sanktionen in den Vertrag mit dem Essensanbieter an. Auch sei eine Blindverkostung im Vorfeld eine gute Idee. Hintergrund für die Ausschreibung sind regelmäßige Beschwerden über den Zustand des Schulessens in Bautzener Schulen, die von Landkreis oder Stadt getragen werden. Diese werden vom Cateringunternehmen Sodexo beliefert, eine Ausnahme bildet nur die Montessori-Grundschule.

Kartoffelqualität hat unter nassem Wetter gelitten

Sodexo hatte sich mit zwei Mitarbeitern am Familienplenum beteiligt und versuchte die Vorwürfe zu entkräften. So erhalte man von den Schülern kaum Beschwerden, eher im Gegenteil. Nur die aus Rothenburg bezogenen Kartoffeln seien aktuell nicht erste Qualität, da Opfer des nassen Wetters. Da müsse man derzeit zukaufen und nehmen was man bekommt - unter den ausgewiesenen festkochenden seien aber oft mehlige Kartoffeln. Auch käme es immer wieder zu Missverständnissen: Die Tatsache, dass in den Sodexo-Küchen noch nie ein echtes Ei gesehen wurde, sei keine Geschäftspolitik von Sodexo, sondern eine gesetzliche Vorgabe.

Neben Sodexo war auch das Unternehmen „kinderleichtessen“ mit Geschäftsführerin Dort Bieler aus Wilthen mit zwei Mitarbeiterinnen vertreten, die die rund 600 Portionen ihrer Kunden täglich mit frischen Zutaten zubereiten. Die Preisspanne liegt dabei zwischen 2,30 und 2,90 pro Essen. Zum Vergleich: in Bautzen zahlen Eltern etwa zwei Euro. Dass der Preis auch in Bautzen steigen muss, um eine bessere Qualität bei der Schulverpflegung zu erhalten, ist nach Ansicht der AG Schule des Stadtfamilienrates Bautzen unumgänglich. Dass bei Preiserhöhungen weniger Kinder mitessen würden, konnten auf Nachfrage weder die Mitarbeiter von Sodexo noch des Wilthener Unternehmens bestätigen.

Neuausschreibung der Essenslieferanten

Für die Schulen in städtischer Trägerschaft stellte Bürgermeister Michael Böhmer ein neues Schulessen für das Schuljahr 2015/2016 in Aussicht. Der Vertrag mit Sodexo werde Ende 2014 gekündigt, die Neuausschreibung soll 2015 erfolgen. Diese Zeit sei notwendig, um eine transparente und gute Ausschreibung durchzuführen. "Ein Schnellschuss bringt niemandem etwas“, betonte Böhmer, der darauf verwies, dass der Schulträger nur verpflichtet sei, Räume für die Essensversorgung zur Verfügung zu stellen. Eine zentrale Beschaffung des Essens sei jedoch weiterhin sein Ziel.

Nach Auskunft von Hubertus Klaus, Amtsleiter für Bildung und Soziales bei der Stadt, wird das Thema Schul- und Kitaessen im August sowohl im Hauptausschuss als auch im Stadtrat behandelt. Dabei geht es vor allem um die Auswertung der durch die Schulen ausgeteilten Bewertungsblätter. Geht es nach dem Willen des Amtsleiters, so könnte ein Schulverpflegungsausschuss bereits dieses Jahr die Arbeit aufnehmen.

Mehr:
http://www.stadtfamilienrat-bautzen.de

Termine:
Hauptausschuss am Mittwoch, den 14.08.13 um 18:00 Uhr im Ratssaal
Stadtratssitzung am Mittwoch, den 28.08.2013 um 15:00 Uhr im Stadtratssaal

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  • Quelle: red
  • Zuletzt geändert am 09.07.2013 - 06:49 Uhr
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