Zwischen Bioanbau und Energiepflanzen: Landwirtschaft auf schwierigem Feld

Zwischen Bioanbau und Energiepflanzen: Landwirtschaft auf schwierigem FeldBautzen / Budyšin, 28. September 2017. Der moderne Landwirt ist immer wieder aufs Neue gezwungen, den Bleistift zu spitzen: Sowohl in der Tierhaltung als auch in der Milchproduktion ist es schwer, auskömmliche Preise zu erzielen. Die Landwirtschaft ist stark wetterabhängig. Das scheint, wie die letzten Jahre laut Markt-Statistik deutlich gemacht haben, aufgrund des Klimawandels weiter zuzunehmen. Schaut man sich den Landbau näher an, scheinen zwei Bereiche lukrativ: Der Pflanzenanbau unter einem Bio-Label, möglichst mit einem hohen Anteil an Selbstvermarktung, und der Anbau von Energiepflanzen wie Raps. Diesen Bereich hat der Bautzner Anzeiger näher beleuchtet.
Abbildung oben: Für viele Menschen gehören blühende Rapsfelder zum Frühling einfach dazu. Auch ökologisch haben sie wichtige Funktionen.

Produktion und Nachfrage steigen weltweit: Raps bleibt teurer als Getreide

Produktion und Nachfrage steigen weltweit: Raps bleibt teurer als Getreide

Viele Menschen stören sich an Windrädern. Elektrischer Strom kann jedoch auch aus Rapsöl als erneuerbarer Energiequelle gewonnen werden.

Obgleich aktuell die Preise für Getreide wie auch für Raps steigen, verspricht Raps mit deutlich mehr als 350 Euro pro Tonne an den internationalen Warenterminbörsen mehr als den doppelten Erlös gegenüber beispielsweise Weizen.

Aus Raps wird vor allem Rapsöl gewonnen, als Nebenprodukt entsteht eiweißreiches Tierfutter. Das Rapsöl ist Ausgangsstoff für Speiseöl, Bioschmier- und Biokraftstoffe, Farben und Biokunststoffe. Mancher sieht die technische Anwendung von Pflanzen kritisch, für die Landwirtschaft hat sie aber durchaus positive Aspekte: Neben der Tatsache, dass ein großer Bedarf bedient werden kann, führt die Verknappung der Anbaufläche für Lebensmittelpflanzen grundsätzlich zu höheren Preisen, was dem Erhalt von Landwirtschaftsbetrieben hilft.

In Deutschland werden immer wieder die Überproduktion von Lebensmitteln und die teils extremen Billigpreise bei Discountern beklagt. Vor diesem Hintergrund erscheint es vernünftig, in Europa Landwirtschaftsflächen für den Anbau von Energiepflanzen und Pflanzen für technische Anwendungen zu nutzen. Bei Raps kommt noch ein ganz besonderer Umweltaspekt hinzu: Rapsfelder gehören zu den bedeutendsten Nektarquellen für Honigbienen, ein Hektar Raps kann pro Saison die Grundlage für an die 500 Kilogramm Honigernte sein.

Die Auswahl einer stabilen Sorte sichert den Ertrag

Was oft schon vergessen ist: Für die menschliche Ernährung und als Tierfutter gibt es Raps erst seit Mitte der 1980er Jahre, als neue Sorten gezüchtet wurden, die von bitteren und giftigen Stickstoff- und Schwefelverbindungen weitestgehend frei sind. Es ist dieser sogenannte 00-Raps (Doppelnull-Raps, erucasäurefrei und mit wenig Glucosinolaten), der in Deutschland zum allergrößten Teil als Winterraps angebaut wird.

Geerntet wird meist im Juli, wenn die schwarz gewordenen Körner in der Schote rascheln. Was sich einfach anhört, ist für die Landwirte beim meist angewandten Direktdruschverfahren ein Problem, denn die Schoten reifen nicht gleichmäßig: Wenn die oberen Schoten erntereif sind, sind die unteren noch grün. Diese “Gummischoten” werden beim Dreschen nur zerrieben, ihre Feuchtigkeit verklebt die ausgedroschenen Körner mit dem Stroh, was zu Ertragseinbußen führt.

Für den Bauern hat das zwei grundlegende Konsequenzen:
  1. Den richtigen Erntezeitpunkt finden
    Wann wird Raps geerntet? Das ist die Frage, zu deren Beantwortung die Reife zur Erntezeit täglich kontrolliert werden muss.

  2. Die optimale Rapssorte wählen
    Ebenso wie die erwähnten, noch unreifen Gummischoten, führen überreife bereits geplatzte Schoten zu teils drastischen Ertragsminderungen. Hingegen können neuere Sorten mit erhöhter Schotenplatzfestigkeit länger ausreifen, was den Anteil an Gummischoten reduziert.

Raps in der Fruchtfolge: Geringerer Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Dünger

Raps liefert nicht nur Energie, sondern spart auch Energie: Nach der Ernte kann sich der Landwirt eine energieintensive Bodenbearbeitung sparen. Außerdem unterbricht der Raps die Schaderregervermehrung, was die Anwendung von Fungiziden bei den Nachfolgepflanzen deutlich reduziert. Sonst kaum bekämpfbaren Unkräutern wird mit Raps sogar auf ganz natürliche Weise der Garaus gemacht.

Auch Lebewesen profitieren: Auf keiner Ackerfläche leben mehr Regenwürmer als auf Rapsfeldern. Die winzigen Tunnel, die sie hinterlassen, und die Kanäle der Rapswurzeln sind die Nährstoffreservoirs der Folgefrüchte und erleichtern deren Wurzelbildung. Gefallen dürfte den Bodenbewohnern zudem, dass Raps Düngemittel für die in der Fruchtfolge auf ihn folgenden Pflanzen bereitstellt: Stickstoff, Kali und Phosphat sind schon da und brauchen nicht vom Landwirt gesondert eingebracht zu werden.

Wer sich an den in leuchtendem Gelb blühenden Rapsfeldern erfreut, hat mit diesem Hintergrundwissen nun vielleicht doppelte Freude.

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  • Quelle: TEB | Foto mit Haus: jahrud / Rudi Jahn, Foto mit Windgenerator: herbert2512 / Herbert Aust, beide pixaby und Lizenz CC0 Public Domain
  • Zuletzt geändert am 28.09.2017 - 10:35 Uhr
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