Bautzener Eltern gründen Stadtfamilienrat

Bautzen / Budyšín, 16. Oktober 2012. "Familien benötigen eine Lobby - auch in Bautzen!“ meinen zahlreiche Mütter und Väter in Bautzen und wollen jetzt einen Stadtfamilienrat gründen. "Ob Touristiker, Senioren, Wirte oder Händler - die meisten Gruppen in der Stadt haben eine Verein, der sie vertritt“, sagt Tobias Schilling, einer von derzeit rund zehn Initiatoren - für Familien fehle jedoch eine durchsetzungsfähige Interessensvertretung. "Während früher Familien allein aufgrund des prozentualen Anteils an der Gesamtbevölkerung gehört wurden, muss ihnen nun immer aktiver Gehör verschafft werden“, ergänzt Pfarrer Jörg Sirrenberg von der Kirchgemeinde Gesundbrunnen. Dabei hätte ein Bautzener Familienrat gut zu tun, denn Themen, die das Leben von Familien in Bautzen betreffen, gibt es nach Ansicht der Initiatoren genug: vom Bedarf an zusätzlichen Krippen-Plätzen, den Aufnahme-Kriterien an Schulen, der familienfreundlichen Haltung in Geschäften und Unternehmen, bis hin zur Bewertung von Entscheidungen wie der Klassenbildung am Philipp-Melanchthon-Gymnasium, an dem die Sächsische Bildungsagentur nur wenige Wochen vor Schuljahresbeginn eine komplette Klasse weniger aufnehmen ließ als von der Einrichtung geplant - trotz ausreichender Schülerzahlen.

Eigener eingetragener Verein vorgesehen

"Der Stadtfamilienrat soll jedoch vom Grund her deutlich mehr als eine Protestbewegung sein“, versichert Birgit Kieschnick, Mutter von zwei Schulkindern. "Vielmehr geht es darum, bei die Familien betreffenden Themen am Ball zu sein.“ Der direkte Kontakt zu Stadtverwaltung und Stadtrat, Landratsamt und Kreistag, aber auch zur Bildungsagentur soll helfen, Entwicklungen frühzeitig wahrzunehmen und mit den Verantwortlichen bereits vor endgültigen Entscheidungen ins Gespräch zu kommen.

Bilang hätten sich Eltern nur wenig für Themen in deren Entstehung interessiert, der Protest gegen einmal getroffene Entscheidungen war dann nur schwer zu organisieren und in der Folge oft wirkungslos. "Wir sind jedoch auch sicher, dass auch die Behörden froh sein werden, wenn es einen einheitlichen Ansprechpartner für Familien in der Stadt gibt“, meint Schilling. Im Dialog ließen sich zahlreiche Angelegenheiten sicher besser regeln als im Protest. "Wir wollen etwas tun, bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist“, betont daher auch Ansgar Hoffmann, Vater von drei Töchtern. Vor allem vor dem Hintergrund der aktuellen Altersstruktur in den entscheidenden Gremien von Stadt und Landkreis sowie der demographischen Entwicklung sollten auch die Eltern von heute noch sehr jungen Kindern jetzt aktiv werden, um zumindest die heute vorhandene öffentlich Familieninfrastruktur zu erhalten. "Die Mitarbeit im Stadtfamilienrat ist eine gute Möglichkeit, sich für dieses Ziel einzusetzen“, hebt Olivia Jakschik hervor.

Mehr als Familienpolitik

Die Arbeitsbereiche des Stadtfamilienrates sollen jedoch über die familienpolitischen Fragen hinausgehen. So soll sich eine eigene Arbeitsgruppe direkt mit Fragen der Familienfreundlichkeit in Bautzen beschäftigen, die über Kita und Schule hinausgehen. Denn eine Stadt verdiene das Prädikat "familienfreundlich“ nur, wenn es auch von den Familien als solche empfunden werde, so die Initiatoren. Vorstellbar seien daher auch Veranstaltungen, die speziell für Familien angeboten werden: Vom Expertenvortrag über einen regelmäßigen Familienstammtisch bis zum gemeinsamen Familienbrunch - Ideen sind viele vorhanden. Zu diesen gehört auch der Aufbau eines Netzwerkes für Neubautzener. Gerade Familien, die neu nach Bautzen ziehen, suchen zunächst nach Anschluss. Hier könne ein Stadtfamilienrat als erster Ansprechpartner dienen. "Bei allen Vorhaben ist es uns wichtig, das Rad nicht unbedingt neu zu erfinden, sondern uns mit bereits bestehenden Initiativen zu vernetzen“, unterstreicht Dirk Bergelt. Dazu zähle vor allem der Kreiselternrat, der bereits an vielen Projekten im schulischen Bereich arbeite. Eine Internetseite und ein Auftritt in sozialen Netzwerken wie Facebook sollen den schnellen Austausch der Eltern untereinander verbessern.

Bei der Vielzahl an Ideen sind die Initiatoren jedoch auch realistisch: Mit einer Handvoll Mitstreiter wird die Idee eines Stadtfamilienrates nur eine Vision bleiben. Je mehr Mütter und Väter sich jedoch beteiligten, umso schlagkräftiger und effektiver könne die Gruppe arbeiten und umso mehr für Familien in Bautzen bewegen: "Derzeit sind wir dabei, die Idee bei den Elternvertretern von Kitas, Horten und Schulen bekanntzumachen.“

Ziel der Initiatoren ist es, bis Herbst 2013 einen eigenen eingetragenen Verein zu gründen, um so die Familienarbeit in Bautzen auch langfristig auf eine solide organisatorische Grundlage zu stellen.

Die Initiative soll nicht allein auf die gewählten Vertreter beschränkt bleiben. "Alle Familien aus Bautzen sind herzlich zum Mitmachen eingeladen“, so Marko Trompler, ein weiterer der Mitinitiatoren. Ein erstes Informationstreffen soll nun zeigen, wie groß die Resonanz auf das Vorhaben in den Bautzener Familien ist.

Informationstreffen!
Freitag, 16. November 2012, 20 Uhr,
Vereinszimmer des Bautzener Brauhauses.
Thema: Idee, Aufgaben und Strukturen eines Stadtfamilienrates.
Die Teilnahme ist für alle Bautzener möglich und erwünscht.

Elternkino!
"Wege aus der Brüllfalle“
Film und Regisseursgespräch, gemeinsames Elternkino von Förderverein Montessori-Schule Bautzen e.V., Katholisches Kinderhaus Bautzen, Ev. Kirchgemeinde Gesundbrunnen und dem Stadtfamilienrat Bautzen.
Freitag, 23. November 2012, 19 Uhr,
Kirchgemeindehaus Gesundbrunnen.

Mehr:
http://www.stadtfamilienrat-bautzen.de

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  • Quelle: red
  • Zuletzt geändert am 16.10.2012 - 22:18 Uhr
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