Niederkaina mahnt

Niederkaina mahntBautzen / Budyšin, 23. April 2016. Von Thomas Beier. Es gehört zu den festen Terminen der Bautzener Oberbürgermeister: Das Gedenken an die am 22. April 1945 von Angehörigen der 1. Ukrainischen Front in Niederkaina / Delnja Kina in einer Scheune verbrannten 195 Menschen, bei denen es sich um Volkssturmleute gehandelt haben soll.
Abbildung (v.l.n.r.): Helga Graff, Ingrid Jäkel, Norbert Haupt, Alexander Ahrens.

Anständig im Krieg?

Anständig im Krieg?

Ein anderer Gedenkstein, der in Wuischke / Wuježk bei Bautzen steht.

Sie waren hier zusammengetrieben worden, anschließend wurde das Gebäude angezündet.

Heute erinnert - neben dem alljährlichen Gedenken - eine Gedenktafel an das Geschehen. An der Tafel legte der Bautzener Oberbürgermeister Alexander Ahrens gestern gemeinsam mit Vertretern des Ortschaftsrates ein Blumengebinde nieder.

Gräueltaten gab es auf allen Seiten: Am Tag des Verbrechens von Niederkaina brachten deutsche Soldaten in Guttau / Hućina das Personal, alle Kranken und Verwundeten eines polnischen Feldlazaretts um.

Zum Gedenken an die Kriegsgräuel - in der Schlacht um Bautzen wie in jedem Krieg - gehört die Erinnerung daran, dass es der Krieg selbst ist, der die Menschen vertieren lässt. Und dass der "anständig kämpfende Soldat" eine Legende ist.

Hintergrund


Am 22. April 1945 lag der 2. Weltkrieg in seinen letzten Zügen. Auch in und um die Stadt Bautzen tobten in diesen Tagen heftige Kämpfe, die später als die Schlacht um Bautzen in die Geschichte eingingen.

Die 1. Ukrainische Front der Roten Armee unter Marschall Konew hatte am 16. April 1945 hatte mit einem Großangriff die Schlacht um Berlin eröffnet. Die großenteils kampfunerfahrene 2. Polnische Armee (Teil der Polnischen Streitkräfte in der Sowjetunion) unter General Świerczewski sollte die südliche Flanke dieses Vorstoßes sichern.

In Ihrem Wahn des Kampfes bis zum Untergang - mit dem "Endsieg" hatte es nicht geklappt, "Wunderwaffen" waren grad nicht lieferbar - hatten die Deutschen auch das mittelalterliche Bautzen zur Festung erklärt. Die Stadt wurde eingekesselt und teils besetzt. In Folge der letzten großen deutschen Panzeroffensive des Zweiten Weltkriegs gelangte die Stadt nach tagelangen Häuserkämpfen - trotz deutlicher zahlenmäßiger Unterlegenheit - wieder in deutsche Hand. Bei den anschließenden weiträumigen Kampfhandlungen, in denen der polnische Stab den Überblick verlor, wurden große Teile der polnischen Divisionen vernichtet.

Geändert am Ausgang des Krieges haben die tausenden Toten, Vermissten und Verwundeten, die es auf beiden Seiten gab, nichts.

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Kommentare Lesermeinungen (1)
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Gedenktafel in Niederkaina

Von Kai am 02.08.2018 - 12:38Uhr
In meinen Augen zeugt die Zerstörung der Gedenktafel und die damit verbundene Schändung des Andenkens der viehisch ermordeten Volkssturm-Soldaten von einer Gesinnung, die auf niederster Stufe steht. Diese Gefühllosigkeit gegenüber den, bei lebendigem Leibe, verbrannten Männern und ihren Angehörigen ist nicht zu überbieten.
Meine Verbundenheit gehört den Familien der Mordopfer, während meine tiefste Verachtung den Tätern zukommt.

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  • Quelle: red | Foto: © Stadtverwaltung Bautzen
  • Zuletzt geändert am 23.04.2016 - 08:43 Uhr
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