Idee aus Münster macht Schule in Bautzen

Idee aus Münster macht Schule in BautzenBautzen / Budyšín, 16. Dezember 2020. Alles entwickelt sich, so auch das Trampen. Während man früher am Straßenrand stehen musste und von den Kraftfahrern erst einmal kritsich beäugt wurde, bevor sie eventuell anhielten und nach dem Wohin fragten – Pärchen waren gut beraten, wenn sich der Freund erst einmal im Gebüsch versteckte, während das Mädchen den Mitnehmer klar machte – gibt es nun, der alternden Gesellschaft angepasst, eine neue Variante: die Mitfahrbank.

Wer in Bautzen als Kraftfahrer dieses Schild sieht, sollte gucken, ob jemand auf der Bank sitzt, um mitgenommen zu werden

Bildquelle: Stadtverwaltung Bautzen

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Mit erhobenem Daumen in die Altstadt von Bautzen

Mit erhobenem Daumen in die Altstadt von Bautzen

Maria Löcken-Hierl nutzt die Mitfahrbank auch selbst. Wer als Kraftfahrer jemanden mitnimmt wird mit dem angenehmen Gefühl belohnt, etwas Gutes getan zu haben

Bildquelle: Stadtverwaltung Bautzen

Der Service der neuen Mitfahrbänke in Bautzen richtet sich tatsächlich vor allem an die Älteren, die nicht mehr gut zu Fuß sind. Im konkreten Fall haben sie es durchaus schwer, aus der Seidau in die Bautzener Innenstadt zu gelangen. So mancher hat deshalb häufig auf die Fahrdienste freundlicher Nachbarn zurückgegriffen – doch wer will schon immer wieder um etwas bitten? Solche Anfragen und Absprachen gehören nun dank der neuen Mitfahrbänke möglichst der Vergangenheit angehören.

Hintergrund: Maria Löcken-Hierl hatte im westfälischen Münster erlebt, wie ein unkomplizierter Mitfahrservice funktionieren kann – und war begeistert. Auch ihre Mitstreiter in der Initiative "Unsere schöne Seidau" haben die Idee, in ihrem Stadtteil eine Mitfahrbank aufzustellen, sofort mitgetragen. Das Prinzip ist denkbar einfach: Wer in die Altstadt gelangen möchte, nimmt auf der Bank, die an der Seidauer Straße aufgestellt wurde, Platz. Sobald jemand vorbeikommt, der in die gewünschte Richtung fährt, kann dieser den dankbaren Passagier mitnehmen.

Auch bei der Stadtverwaltung stieß diese Idee auf offene Ohren. Mit Mitteln aus dem Bürgerhaushalt wurden deshalb zwei Bänke angeschafft, von denen eine nun in der Seidau steht. Damit die neue Personannahverkehr-Option keiner Einbahnstraße gleicht, wurde eine zweite Bank am Finanzamt platziert.

Es dauerte nicht lange, da fanden sich schon die ersten Nutzer ein. "Ein älterer Herr hat das neue Angebot schon genutzt, als noch nicht einmal ein Schild auf die Mitfahrbank hingewiesen hat", konnte Maria Löcken-Hierl beobachten. Das habe sie sehr gefreut. Sie ist überzeugt davon, dass viele Seidauer die neue Form der Mobilität zu schätzen wissen: "Der Bus verkehrt hier nicht so häufig. Deshalb werden viele das Angebot nutzen."

Update:
Das Thema Mobilität der Zukunft – vom eScooter bis zum Auto, in dem Wasserstoff erzeugt wird – hat der Bautzner Anzeiger am 18. August 2021 aufgegriffen.

Kommentare Lesermeinungen (1)
Lesermeinungen geben nicht unbedingt die Auffassung der Redaktion, sondern die persönliche Auffassung der Verfasser wieder. Die Redaktion behält sich das Recht zu sinnwahrender Kürzung vor.

Mitfahrbank

Von Christoph Ulrich am 27.03.2022 - 01:21Uhr
Ob nun in Münster oder in Bautzen das erste Mal umgesetzt, überall, wo ich zugange war in meinem Leben, wäre die Notwendigkeit gegeben.

Ich habe dazu auf meiner Facebook Seite gleich einen Beitrag veröffentlicht, der diesen Vorstoß generell in Deutschland lostreten sollte.

Die Situation ist für mich unerträglich, dass man das Problem nicht schon früher erkannt hat und entsprechend gehandelt, abgesehen von den Möglichkeiten, die das Handy heute bietet.

Ich habe zwar immer in einer Stadt gelebt, aber Orte, nur 5 km vom Zentrum entfernt liegen, wurden zwar eingemeindet, aber der ÖNV ist nicht angepasst, sodass die Ortsteile genau so schwer zu erreichen sind wie die Landgemeinen an sich.

Wenn man jung ist, kann man ja noch eine halbe oder Stunde laufen bis zum Bahnhof oder Zentrum. Ich bin fast nie in den Bergen wandern gewesen, aber für Stadt – Land Wanderungen habe ich hunderte Kilometer hinter mir, nur weil das ÖNV Angebot nicht passte und Mitnahme nicht organisiert war. Und spontanes Trampen ist über die Jahre immer schwerer geworden.

Seifhennersdorf, Zittau, Görlitz, Eibau, Löbau, Bautzen, Ulm – um nur die Orte mal zu nennen, wo irgendwann mal der Regionalverkehr oder Stadtverkehr in Ortsteile, raus aus der Stadt oder zurück, versagt hat, so dass ich zu einem Fußmarsch gezwungen war, um mein Ziel noch halbwegs rechtzeitig zu erreichen.

Ich möchte also anregen, das Thema unbedingt weiter zu bewegen. Gerne können Sie auch meinen Beitrag auf Facebook einsehen.

Überschrift: "Endlich bewegt sich was im Ländle"

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  • Quelle: red | Bilderquelle: Stadtverwaltung Bautzen
  • Erstellt am 16.12.2020 - 13:24Uhr | Zuletzt geändert am 18.08.2021 - 13:44Uhr
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