Peter S. Kaul aus Göda mit Verfassungsmedaille ausgezeichnet

Peter S. Kaul aus Göda mit Verfassungsmedaille ausgezeichnetDresden | Göda / Hodźij, 3. Juni 2019. Landtagspräsident Dr. Matthias Rößler hat vorgestern im Ständehaus Dresden Persönlichkeiten mit der Sächsischen Verfassungsmedaille ausgezeichnet. Dazu gehört in diesem Jahr auch Peter S. Kaul aus Göda. Mit der Medaille werden Männer und Frauen geehrt, die sich auf sozialem, künstlerischem, wissenschaftlichem, wirtschaftlichem oder politischem Gebiet besonders um die Werte der Sächsischen Verfassung verdient gemacht haben.
Abbildung: Landtagspräsident Dr. Matthias Rößler (links) und Peter S. Kaul bei der Verleihung

Laudatio von Landragspräsident Dr. Rößler auf Peter S. Kaul

(Hinweis: Verlinkungen redaktionell hinzugefügt)

Meine sehr verehrten Damen und Herren, PROMISERUNT INVICEM SIBI ASSISTERE AUXILIO – so, habe ich gelesen, steht es im Bundesbrief, dem Rütlischwur, mit dem sich die Eidgenossen im Jahr 1291 gegenseitigen Beistand versprochen haben. Und genau dies kam mir bei einer unserer ersten Begegnungen, lieber Herr Kaul, in den Sinn. Denn ich dachte: Diesem Mann ist der Wunsch und das Streben nach gegenseitigem, uneigennützigem Beistand ins Herz gepflanzt.

Aber gehen wir ein wenig zurück in der Zeit. Es war August 1990, als Peter Kaul das erste Mal Dresden besuchte. Es sei "Liebe auf den ersten Blick gewesen…" sagt er selbst darüber. Die Stadt, die Menschen, die Aufbruchstimmung, der Veränderungswille – all das habe ihn in seinen Bann gezogen und den Wunsch ausgelöst, hier mitzutun, Beistand zu geben, Hilfe zu leisten. Er beriet sich mit seinen Geschäftspartnern und schon am 1. Januar 1991 wurde hier in Dresden die erste Firma eröffnet. Eine zweite und dritte folgten. Aber es ging ihm um viel mehr als Geschäftsbeziehungen aufzubauen.

Sein Anliegen war, Brücken zu bauen zwischen seiner Heimat, der Schweiz, denn Peter Kaul ist Schweizer Staatsbürger, und seiner – seit 1991 – Wahlheimat Sachsen. Er wollte die Menschen einander näher bringen, das Schweizervolk den Sachsen und den Sachsen das Schweizervolk. Folgerichtig ging er sofort ans Werk, als der damalige Generalkonsul Henri Flückiger ihn Mitte der 90er Jahre fragte, ob er nicht einen Schweizerisch-Deutschen Wirtschaftsclub in Dresden aufbauen könnte, so wie es ihn in westdeutschen Metropolen wie München, Frankfurt und Stuttgart bereits gab. Seit 1996 gibt es diesen Verein.

Neben der Förderung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der Schweiz und der Bundesrepublik gehören zu den Schwerpunkten seines Wirkens die Organisation niveauvoller Veranstaltungen zu aktuellen Themen der Wirtschaft, Kultur und Politik sowie die Herstellung und Pflege vielfältiger Kontakte zu Vereinen und Institutionen mit gleichen und ähnlichen Zielen. Peter Kaul hat von Beginn an im Vorstand mitgearbeitet, war 8 Jahre lang Präsident und ist jetzt Schirmherr des Clubs.

Der heutige Präsident, Björn-Markus Bennert, hat hierzu Folgendes geschrieben: "Ich kenne Peter Kaul als einen verbindlichen und interessierten Gesprächspartner, der es herausragend versteht, mit seinem Wirken den Menschen in Sachsen die Schweiz und insbesondere das Schweizervolk näher zu bringen. Für den Schweizerisch-Deutschen Wirtschaftsclub ist er dank seiner zahlreichen Kontakte und Erfahrungen sowie seiner Bereitschaft, selbstlos zu helfen und zu unterstützen eine tragende Rolle der Arbeit des Clubs. Die seit vielen Jahren traditionelle Durchführung eines Schweizer Tags bei einem schweizerischen Unternehmen in Sachsen wäre ohne seine Initiative und Unterstützung undenkbar."

Seit 20 Jahren begleiten Sie, sehr geehrter Herr Kaul, zudem die Schweizer Literaturtage in Sachsen, die in Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Botschaft in Berlin, dem Schweizer Buchhändler- und Verlegerverband, der Landesfachstelle für Bibliotheken in Sachsen und dem Schweizerischen-Deutschen Wirtschaftsclub durchgeführt werden. Auch hier sind Sie federführend verantwortlich für den Kontakt mit den politischen Amtsinhabern der Kommunen und den Wirtschaftsvertretern aus den jeweiligen Regionen, denn die Literaturtage "wandern" quasi durch Sachsen.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, nicht unerwähnt lassen möchte ich das soziale Engagement von Herrn Kaul in und für unsere Gemeinwesen. Er ist langjähriges Präsidiumsmitglied im Landesverband Sachsen des Deutschen Roten Kreuzes, seit vergangenem Jahr Schatzmeister, und leistet dort in vielfältiger Form praktische Hilfe. Peter Kaul war dabei, als quasi über Nacht hier in Dresden auf der Bremer Straße die Asylbewerberunterkunft sprich-wörtlich aus dem Boden gestampft werden musste. Auch dieses Engagement war folgerichtig, wenn man Peter Kaul kennt. Das Rote Kreuz, vor 150 Jahren in Genf gegründet, ein schweizerisches Urgestein, das alles verkörpert wofür Herr Kaul steht und einsteht: Basisorientiertheit, Pflichtgefühl, Respekt, Humanität, Neutralität, Unabhängigkeit und Selbständigkeit.

Ich könnte jetzt noch auf sein Engagement im Förderverein Klausenburg und vieles andere mehr eingehen, möchte hier aber einen Punkt setzen und Herrn Kaul zu mir nach vorn bitten, um ihm mit der Verleihung der Verfassungsmedaille Dank und Anerkennung auszusprechen für seine Verdienste um grenzüberschreitende Zusammenarbeit und Völkerverständigung.

Die Sächsische Verfassungsmedaille 2019 haben erhalten:

    • Andreas Beuchel, Meißen:
      Der Meißner Superintendent und Dompfarrer Andreas Beuchel bringt seit vielen Jahrzehnten gesellschaftliche Akteure aus Politik, Zivilgesellschaft und Kirche zusammen. Als Rundfunk- und Senderbeauftragter der evangelischen Landeskirche beim MDR plante und begleitete er von 2007 bis 2015 die Hörfunk- und Fernsehgottesdienste.

    • Christine Clauß, Leipzig:
      Die Landtagsabgeordnete war von 2008 bis 2014 Staatsministerin für Soziales und Gesundheit in Sachsen. Dabei leistete sie einen entscheidenden Beitrag zur Verbesserung der Hygiene in den Krankenhäusern und zur Bekämpfung multiresistenter Erreger. Clauß, die 25 Jahre als Krankenschwester tätig war, gilt als äußerst anerkannte und geschätzte Fachfrau in der sächsischen Gesundheitspolitik.

    • Prof. Dr. Wolfgang Hentrich, Dresden:
      Der Professor an der Dresdner Musikhochschule ist u.a. Leiter des Philharmonischen Kammerorchesters und leitet seit 2013 die Deutsche Streicherphilharmonie. Er gilt als Förderer einer traditionsreichen sowie neugierig-zeitgenössischen Musikkultur in Dresden und unterstützt begabte Nachwuchsmusiker.

    • Peter S. Kaul, Göda:
      Der Unternehmensberater aus der Schweiz lebt seit 1991 in seiner Wahlheimat Sachsen. Peter S. Kaul baute in den 1990er Jahren den Schweizerisch-Deutschen Wirtschaftsclub in Sachsen auf und war acht Jahre dessen Präsident. Er machte sich damit nicht nur um die schweizerisch-sächsischen Wirtschaftsbeziehungen, sondern auch um den kulturellen und gesellschaftlichen Austausch besonders verdient.

    • Birgit Munz, Dresden:
      Seit 2007 ist Birgit Munz Präsidentin des Sächsischen Verfassungsgerichtshofs. Über ihre Aufgabe als Hüterin der Verfassung hinaus verleiht sie der Institution Verfassungsgerichtshof durch ihre außerordentliche Präsens und ihr Wirken ein Gesicht und eine Stimme. Munz trägt damit maßgeblich zur Akzeptanz des Gerichts bei den Bürgern in Sachsen bei.

    • Konrad Riedel, Leipzig:
      Der gelernte Bäcker und langjährige Innungsobermeister seiner Zunft in Leipzig setzt sich seit über zwei Jahrzehnten im Stadtrat sowie zahlreichen Gremien und Ehrenämtern für die Interessen der älteren Generation und für die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung ein.

    • Kerstin Stopp, Chemnitz:
      Die Sonderpädagogin trainiert seit vielen Jahren junge Menschen mit einer Lern- oder Mehrfachbehinderung. Von 1996 bis 2010 leitete sie das Spiel- und Sportfest für geistig- und mehrfachbehinderte Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Sie ist Mitgründerin des „Verein zur Förderung von Integration durch Sport.“

Wie es zur Sächsischen Verfassungsmedaille kam

Am 26. Mai 1997, fünf Jahre nach der Verabschiedung der Sächsischen Verfassung, stiftete der damalige Landtagspräsident Erich Iltgen zur Erinnerung an die Friedliche Revolution im Herbst 1989 die Sächsische Verfassungsmedaille. Seitdem verleiht der Präsident des Sächsischen Landtags die Auszeichnung jährlich an Bürger, die sich in besonderer Weise um die freiheitlich-demokratische Entwicklung des Freistaats Sachsen verdient gemacht haben. Sie ist neben dem Sächsischen Verdienstorden die wichtigste staatliche Auszeichnung, die in Sachsen verliehen wird.

Die Sächsische Verfassungsmedaille ist aus Silber. Auf der Vorderseite trägt sie das sächsische Wappen sowie die Inschrift "Sächsische Verfassung – 26. Mai 1992 – Für besondere Verdienste". Rückseitig erinnern fünf brennende Kerzen sowie der Ausspruch "Wir sind das Volk" an die Friedliche Revolution.

Bislang haben einschließlich der 2019 Geehrten 162 Männer und Frauen die Sächsische Verfassungsmedaille erhalten.

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  • Quelle: red | Foto: Steffen Füssel
  • Zuletzt geändert am 03.06.2019 - 10:12 Uhr
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