Sorben fordern mehr Mitwirkungsrechte in Stadt und Landkreis Bautzen

Sorben fordern mehr Mitwirkungsrechte in Stadt und Landkreis BautzenBautzen / Budyšín, 6. Februar 2021. Sorbische und weitere Mitglieder von CDU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen, der Linkspartei, FDP und Lausitzer Allianz sowie der Sorbischen Wählervereinigung wollen sich künftig über sorbenpolitische Themen entschlossener und im erweiterten Kreis austauschen und abstimmen. Die Ergebnisse ihres Dialoges, der weiteren Interessenten offensteht, wollen sie der Bundes-, Landes- und Kommunalpolitik zur weiteren Behandlung und Entscheidung übermitteln. Darauf einigten sich fünfzehn Teilnehmer einer Videokonferenz vom 4. Februar 2021.

Abb.: Die Sorben in Bautzen und Umgebung – das ist weit mehr als nur folkloristische Zugabe

Foto: Karolina Grabowska, Pixabay License

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Defizite in der sorbisch-deutschen politischen Wirklichkeit artikuliert

Zu dieser ersten Beratung im Online Format mit sorbischen Akteuren und ihren Verbündeten in den demokratischen Parteien sowie in der Sorbischen Wählervereinigung hatten die Landesarbeitsgemeinschaft der Grünen "Sorbisches Leben", der Landesarbeitskreis "Sorbische Linke" und der sozialdemokratische Landesarbeitskreis "Sorben/Wenden" eingeladen.

Im Mittelpunkt der Konferenz, die vornehmlich in sorbischer Sprache ablief, informierten sich die Teilnehmer gegenseitig über ihre sorbischenpolitische Arbeit und über entsprechende Schwerpunkte in ihren Parteien, deren Gremien und Arbeitsgemeinschaften. Mehrere der Diskutanten wiesen auf konkrete Ergebnisse der durchweg ehrenamtlichen Tätigkeit hin, hauptsächlich in den Bereichen der Bildung, Medien sowie der Mit- und Selbstbestimmungsrechte des sorbischen Volkes. So ist es gelungen, mit vielfältigen Initiativen ein ständiges sorbisches Mitglied im Rundfunkrat des MDR zu verankern. Auch die Aufnahme etlicher Anliegen im sächsischen Koalitionsvertrag wurde durch eine intensive Zuarbeit aktiver Sorben in den Parteien und in deren Arbeitskreisen ermöglicht.

In der Konferenz kamen allerdings nicht wenige Versäumnisse und Defizite in der sorbisch-deutschen politischen Wirklichkeit zur Sprache, insbesondere und vor allem bei der Revitalisierung der sorbischen Sprache und der Bildung zu mehr Zweisprachigkeit, bei der Werbung für pädagogische Berufe und in der Ausbildung sorbischer Lehrerinnen und Lehrer. Kritisiert wurde auch die vielerorts fehlende gleichberechtigte zweisprachige Beschilderung, der weiterhin ungenügende Schutz sorbischer Siedlungs- und Sprachräume und das unzureichende öffentlich-rechtliche Medienangebot in sorbischer Sprache. Auch fehlt es an neuen und ansprechenden Medien und Mediatheken in den beiden Sprachen des kleinsten slawischen Volkes.

Viel Kritik wurde an den lauen Mitwirkungsrechten der sorbischen Beiräte im Landkreis und der Stadt Bautzen geübt. Deshalb beschloss die Versammlung, sich unverzüglich mit einem Brief an Landrat Michael Harig (CDU) und den Oberbürgermeister Alexander Ahrens (SPD) zu wenden. Überhaupt wollen sich die sorbischen Mitglieder der Parteien künftig verstärkt den kommunalpolitischen Fragen aus der Perspektive einer modernen Minderheitenpolitik widmen.

Die Versammlung war sich letztlich einig, dass der innersorbische und sorbisch-deutsche Diskurs und Austausch demokratisch erneuert und verbessert werden muss, auch unter Einbeziehung von Erfahrungen im Umgang mit autochthonen Volksgruppen in anderen europäischen Ländern. Dazu zählt auch das längst fällige Gespräch auf Augenhöhe zwischen dem Serbski sejm als sorbisch-wendischer Volksvertretung und dem Bund Lausitzer Sorben e.V., der Domowina. Ein CDU-Vertreter wünschte sich zudem, dass sich mehr Sorben seiner Partei am begonnenen überparteilichen Dialog beteiligen sollten. Er und weitere Teilnehmer meinten überdies, dass es förderlich wäre, wenn alle demokratischen Parteien in Sachsen und Brandenburg sorbische Arbeitskreise bilden würden.

Die Videokonferenz beschloss einstimmig, den Austausch Ende Juni 2021 fortzuführen, dann – so wird gehofft – als Präsenzveranstaltung.

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  • Quelle: red | Foto: Karolina Grabowska, Pixabay License
  • Erstellt am 06.02.2021 - 11:13Uhr | Zuletzt geändert am 06.02.2021 - 11:38Uhr
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