Sorbisches Wegkreuz geweiht

Sorbisches Wegkreuz geweihtSalzenforst / Słona Boršć, 26. Juni 2021. Sachsen zahlt Pauschalen zur Stärkung des ländlichen Raums. In Salzenforst, einem der jüngeren Bautzener Stadtteile, wurde daraus die Sanierung eines sorbischen Wegkreuzes finanziert. Die Weihe war gestern.

Abb., von links: Ortsvorsteher Manfred Kieschnik, verdeckte Ministranten, Finanzbürgermeister Dr. Robert Böhmer, Andreas Höhne von Sankt Michael als evangelischer Pfarrer, der sorbische Superintendent Christoph Rummel, Veit Scapan als katholischer Dompfarrer und Domkapitular

Foto: Stadtverwaltung Bautzen

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Seit 4.000 Jahren besiedelt

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Foto: Stadtverwaltung Bautzen

Zur ökumenischen Weihe waren Vertreter von Kirchen, des Ortschaftsrates und der Verwaltung an der Kreuzung Handrij-Zejler-Straße/Schwalbenweg/Bergweg erschienen. Hier hatte das Kreuz über viele Jahrzehnte ein eher tristes Dasein gefristet und war schließlich – von Sträuchern umwachsen und von der Witterung stark gezeichnet – beinahe in Vergessenheit geraten.

Errichtet wurde das jetzige Wegkreuz zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Es zeugt von der Identität des alten Bautzener Domstiftsdorfes Salzenforst. Vermutlich stand an dieser Stelle von alters her ein katholisches Wegkreuz. Zur 660-Jahr-Feier des Ortes im Jahr 2019 war es freigelegt und wieder sichtbar gemacht worden – was allerdings zu sehen war, das waren ein verwitterter Steinsockel und ein verrostetes Kruzifix. Die Inschrift des Sockels "Pokoj budź z Wami!" (Friede sei mit Euch) war kaum noch zu entziffern.

Nun aber lädt das Areal, das in unmittelbarer Nähe zum ökumenischen Pilgerweg durch die Oberlausitz an der alten Via Regia liegt, wieder zum Verweilen ein. Granitsockel, Kruzifix und Inschrift sind komplett überarbeitet und sind ein Schmuckstück im Dorfzentrum. Eine überdachte Holzbank soll noch aufgestellt werden. Ortsvorsteher Manfred Kieschnik kann seine Freude nicht verbergen: "Mit dem Pilgerkreuz bekommt der Ort ein Stück seiner Identität zurück. Ich freue mich außerordentlich, dass Bürgermeister Böhmer es ermöglicht hat, das Kruzifix und den gesamten Platz im Ortszentrum wieder herrichten zu lassen."

Mehr als eine Autobahn-Anschlussstelle

Der Ort Salzenforst wird im Jahr 1359 erstmals unter dem Namen „Salczenforst“ urkundlich erwähnt. Archäologische Funde weisen allerdings auf eine systematische Besiedelung vor etwa 4.000 Jahren hin. Die Bedeutung des Ortsnamens führen Forscher auf die Lage der Siedlung an der alten Salzstraße und der Via Regia zurück. Seit 1999 ist Salzenforst ein Ortsteil der Stadt Bautzen.

Einerseits gehörten die Salzenforster als Untertanen des Domstifts St. Petri die Reformation überdauernd weiterhin der katholischen Gemeinde in der Stadt – ehemals Sankt Nicolai, dann in die Liebfrauenkirche eingepfarrt – an. Andererseits waren sie als Teil des sorbischen dörflichen Umlands der Stadt auch Mitglied der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde St. Michael. Beide Konfessionen haben so im Laufe der Jahrhunderte das Zusammenleben im Dorf geprägt. Der sorbische Nationaldichter und evangelische Pfarrer Handrij Zejler und der katholische Barockbildhauer Jakub Delenka sind dabei zwei Salzenforster Persönlichkeiten, die für die Geschichte der Oberlausitz herausragende Bedeutung erlangten. Daher war es heute folgerichtig, das Wegkreuz ökumenisch vom katholischen Dompfarrer und Domkapitular Veit Scapan, dem evangelischen Pfarrer Andreas Höhne von Sankt Michael sowie dem sorbischen Superintendenten Christoph Rummel festlich weihen zu lassen.

Mit dieser Weihe im alten Domstiftsdorf Salzenforst würdigt die Stadt zudem das 800-jährige Jubiläum des Domkapitels und die Wiedererrichtung des Bistums Meißen in Bautzen vor 100 Jahren. Den beiden Ereignissen war einen Tag zuvor im Dom St. Petri ein Festakt gewidmet. Für Bürgermeister Dr. Böhmer ist die Erinnerung wichtig: "Auch, wenn vom unabänderlichen Lauf der Zeiten scheinbar vieles verschlungen wird – dieses sichtbare Zeichen, dieses Wegkreuz, das unsere Vorfahren setzten, bleibt. Wir sind für unsere Stadt sehr dankbar, erstmals auch den kulturellen Erhalt eines solchen religiösen Kleindenkmals finanziert zu haben."

Frei verfügbares Geld

Das "Gesetz über die Gewährung pauschaler Zuweisungen zur Stärkung des ländlichen Raumes im Freistaat Sachsen in den Jahren 2018 – 2020" – kurz Pauschalengesetz – ermöglicht der Stadt Bautzen jährlich eine Zuweisung in Höhe von 70.000 Euro.

Nutznießer waren bisher beispielsweise der Eisenbahnfreunde OL e.V. und der Förderverein des Philipp-Melanchthon-Gymnasiums. 35.000 Euro setzte die Stadt zur Bewältigung der Pandemiefolgen ein. Da die Mittel für Bautzen frei verfügbar waren, also vom Freistaat kein bestimmter Verwendungszweck vorgegeben war, bestand das Ansinnen des Stadtrates, auch die Ortsteile Salzenforst-Bolbritz, Stiebitz, Kleinwelka und Niederkaina mit jeweils 7.500 Euro zu bedenken. Finanzbürgermeister Dr. Robert Böhmer setzte sich daraufhin mit allen Ortschaftsräten zusammen und legte die entsprechenden Verwendungszwecke fest. So wird in Stiebitz ein weiteres Spielgerät für den Spielplatz angeschafft. Kleinwelka unterstützt den dortigen Sportverein bei der Sanierung des öffentlichen Vereinsgebäudes und in Niederkaina werden u.a. das historische Hügelgrab aufgewertet und im Park ein Picknicktisch aufgestellt. In Salzenforst konnten die Sanierung des Kruzifixes und Pflasterarbeiten finanziert werden. Die überdachte Bank als Pilgerraststätte hingegen ist ein Geschenk der Partnerstadt Heidelberg zum 30-jährigen Partnerschaftsjubiläum.

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  • Quelle: red | Fotos: Stadtverwaltung Bautzen
  • Erstellt am 26.06.2021 - 10:45Uhr | Zuletzt geändert am 26.06.2021 - 11:17Uhr
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