Älteste Bautznerin feierte 112. Geburtstag

Älteste Bautznerin feierte 112. GeburtstagBautzen / Budyšín, 23. September 2021. Die älteste Bautzenerin, zugleich älteste Sächsin, wurde am 12. September 112 Jahre alt. Zu diesem besonderen Fest gratulierte der Bautzener Oberbürgermeister Alexander Ahrens selbstverständlich persönlich und vor allem gerne dem Geburtstagskind. Die Geburtstagsfeier fand im engsten Familienkreis statt.

Abb.: Anna Cernohorsky und der Bautzener Bürgermeister Alexander Ahrens

Foto: Stadtverwaltung Bautzen

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Geboren vor dem Ersten Weltkrieg

Anna Cernohorsky wurde 1909 im böhmischen Molschen geboren. Sie gehörte zu den vielen Menschen, nach dem Zweiten Weltkrieg vertrieben wurden.

1946 gelangte sie nach Bautzen. Ihr Beruf der Damenschneiderin half ihr, und das auch in ganz persönlicher Hinsicht, anzukommen in ihrer neuen Heimat. Der Beruf der Schneiderin erforderte gerade in der damaligen Zeit viel Kreativität. Heute kann sich wohl kaum jemand vorstellen, was es bedeutete, quasi aus dem Nichts etwas Brauchbares herzustellen: Büstenhalter selbst zu nähen, aus aufgetrennten Jutesäcken etwas zu stricken, aus alten Wollstoffen etwas Neues zu zaubern, um auch in kalten Wintermonaten warme Kleidung tragen zu können.

Der Neustart in einer neuen Heimat war nicht leicht. Auch heute erleben wir durch die erneute Flüchtlingswelle, was es für die Betroffenen bedeuten muss, ihre Heimat aufgrund von Kriegen, ethnischer und politischer Verfolgung verlassen zu müssen. Auf der Internetseite von GenWiki finden sich zum Thema der damaligen Vertreibung und zum Völkermord ausführliche Informationen sowie eine genaue Beschreibung dessen, was die Vertriebenen auf die Flucht mitnehmen und welche Anweisungen sie damals zu befolgen hatten. Für die Betroffenen ein schweres Schicksal, dass es als Trauma zu verarbeiten galt und gilt, doch zugleich musste ein Neuanfang gemacht werden.

2009 fand in der Görlitzer Synagoge zu diesem Thema eine hochinteressante Tagung der deutschen literarischen Vereinigung P.E.N. – das steht für Poets, Essayists, Novelists – statt. Es ging um das Thema "Flucht und Vertreibung" im Gedächtnis der Literatur.

Heimat, was ist das? Was bedeutet sie?

Diese Frage ist für viele nicht leicht zu beantworten. Auch der Chemnitzer Schriftsteller Stefan Heym musste Nazideutschland verlassen und kam als Soldat der US-Army zurück nach Deutschland. Jörg Beier und Thomas Beier vom Kunstverein ZONE e.V. haben sich deshalb mit "HEYMAT" beschäftigt und Interviews mit Immigranten und Kulturschaffenden unterschiedlichen Alters geführt und verfilmt.

Heimat, das ist ein Begriff, der Begehrlichkeiten weckt. Nicht umsonst spricht man davon, "die Heimat verteidigen" zu wollen. Andere können mit dem Heimatbegriff und oft damit verbundener Volkstümelei nichts anfangen. Was also macht Heimat aus? Damit sich Schüler damit auseinandersetzen können, ist die Webseite stefan-heym-heymat.de entstanden, die neben den Videos auch Arbeitsmaterialien für Schüler der Klassen 7 bis 10 anbietet, anhand deren sich die Jugendlichen im Unterricht mit diesem Thema auseinandersetzen können.

Der Bautzener Anzeiger möchte sich den Glückwünschen für Anna Cernohorsky zu ihrem 112. Geburtstag ganz herzlich anschließen. Oberbürgermeister Ahrens hat das Geburtstagskind fröhlich und in seiner Art erfrischend direkt erlebt. Möge es noch lange so bleiben!

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  • Quelle: red / ceb | Foto: Stadtverwaltung Bautzen
  • Erstellt am 24.09.2021 - 06:22Uhr | Zuletzt geändert am 24.09.2021 - 08:37Uhr
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