Bautzener Oberbürgermeister kritisiert Aufzug vom Montagabend

Bautzener Oberbürgermeister kritisiert Aufzug vom MontagabendBautzen / Budyšín, 28. Dezember 2021. Gestern setzte die Stadt Bautzen für alle Welt ein Zeichen, dass für die allermeisten Einwohner hier Mitgefühl und Solidarität einen hohen Stellenwert haben: An vielen Stellen in der Stadt verlosch die Weihnachtbeleuchtung, um den an den Folgen einer Coronainfektion Verstorbenen zu Gedenken und daran zu erinnern, dass viele sich mit großem persönlichen Einsatz für an Covid-19 Erkrankte und gegen die Coronapandemie engagieren.

Abb.: Bautzen hat sich einen guten Ruf als Einkaufs- und Touristenstadt erarbeitet. Doch in anderen Regionen Deutschlands fragt man sich, ob man angesichts der dort laut gewordenen seltsamen Weltsichten Sachsen von Reiseplänen nicht besser aussparen sollte – woanders ist es ja auch schön.

Archivbild: © BeierMedia.de

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Die Montagabende in Bautzen bleiben ohne Licht

Thema: Coronavirus

Coronavirus

Infektionen mit dem Coronavirus (SARS-CoV-2) verlaufen pandemisch. Lebensgefahr besteht bei einer Erkrankung an Covid-19 vor allem für Immungeschwächte und Ältere. Vielfältige Maßnahmen sollen die Ausbreitung verlangsamen, um medizinische Kapazitäten nicht zu überlasten sowie Zeit zur Entwicklung eines Medikamentes und eines Impfstoffs zu gewinnen. Im Blickpunkt stehen auch die Wirtschaft und soziale Auswirkungen.

Trotz des Bautzener Gedenkens am Abend des 27. Dezembers 2021 wurden einmal mehr angemeldete Demonstrationen, die sich gegen die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie richten, von einer Vielzahl von Rechtsextremisten, Verschwörungstheoretikern und weiteren Anhängern eine schlichten Gedankenwelt instrumentalisiert.

Dazu erklärte der Bautzener Oberbürgermeister Alexander Ahrens:

"Die massive Anfeindung und Gewalt gegenüber der Polizei und die Bilanz des Abends mit zahlreichen beschädigten Autos und insgesamt elf verletzten Polizisten empört mich zutiefst. Jeder Teilnehmer an den Montagsdemos muss sich spätestens jetzt fragen, mit wem er da mitmarschiert oder welchen Gestalten er mit der Anmeldung von Demonstrationen eine Bühne bietet.

Ich fordere die Anmelder der friedlichen Demos auf, sich sofort von den gewaltbereiten Rechtsextremisten zu distanzieren und von weiteren Demo-Anmeldungen abzusehen. Bautzen darf nicht wieder Bühne für Kräfte werden, die Gewalt und Hass säen.

Leider haben die Anmelder der Demonstrationen in den vergangenen Wochen unter Beweis gestellt, dass sie Kräfte anziehen, die sie nicht bändigen können. Damit sollte doch nunmehr das Ende jedweder Kooperation oder jedweden Verständnisses erreicht sein. Das zuständige Ordnungsamt im Landratsamt Bautzen muss handeln und die Demos zukünftig verbieten.

Die übergroße Mehrheit der Bautzener Gesellschaft denkt und handelt anders, auch wenn eigentlich alle aufgrund der aktuellen Umstände genervt sind. Die Mehrheit hält sich an die Corona-Schutzverordnungen und schützt sich und andere. Die Mehrheit ist friedlich und solidarisch.

Mit dieser Mehrheit haben alle, die gestern an der Demo teilgenommen haben nichts gemeinsam. Sie verletzen gezielt Polizistinnen und Polizisten. Sie nehmen in Kauf, dass hässliche Bilder in die Welt entsandt werden. Sie nehmen in Kauf, dass der von der Pandemie gebeutelte Einzelhandel vor allem in der Innenstadt noch weiter ausblutet. Sie nehmen in Kauf, dass die Besucher der Stadt ein schlechtes Bild in die Welt mitnehmen und das einige in Zukunft wieder einen weiten Bogen um die Region machen werden.

Das akzeptieren wir nicht länger! Die Stadt wird weiterhin jeden Montag das Licht ausmachen, um an die Vielzahl der Corona-Todesopfer zu erinnern. Ich möchte alle Einzelhändler, Hotels und Bürger dazu aufrufen, sich der Aktion anzuschließen und montags von 17 bis 21 Uhr das Licht auszumachen. Geben wir den Gestalten von gestern Abend keine Bühne für ihre Machenschaften. Zeigen wir das wirkliche, solidarische Bautzen."


Kommentar:

Warum starrt die sächsiche Polizei auf den Mob wie das Karnickel auf die Schlange? Spätestens, wenn Polizisten angegriffen werden, sollte Schluss mit der Toleranz sein. Wer ein wenig älter ist, erinnert sich an 1968 oder an die Demonstrationen gegen die Startbahn-West für den Flughafen Frankfurt am Main, die zeigen, wie Polizei kann.

Nun kann es nicht im Interesse der Politik sein, bürgerkriegsähnliche Zustände zu erzeugen. Andererseits: Das Gewaltmonopol liegt bei Staat und wie lange will er zuschauen, wie es erodiert?

Wer mit den Nazis marschiert, ist ein Nazi – vor dem Hintergrund deutscher Geschichte und Verantwortung gibt es da keine Ausreden mehr.

Vor 1933 waren es vor allem Intellektuelle, Künstler, Journalisten und Wissenschaftler, die vor den Nazis und dem von ihnen angestrebten Krieg warnten, doch die meisten Deutschen waren sich der Gefahren des Nationalsotialismus nicht bewusst (ausführlich: Prof. Dr. Wolfgang Benz in "Der Kampf gegen den Nationalsozialismus vor 1933).

Auch heute sind die Gegenstimmen gegen nationalsozialistisches, völkisches und menschenverachtendes Gedankengut zu leise.

Lieber montagabends Licht aus, ehe es in Deutschland wieder ganz finster wird, meint

Ihr Thomas Beier

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  • Quelle: red | Kommentar: Thomas Beier | Foto: © BeierMedia.de
  • Erstellt am 28.12.2021 - 15:17Uhr | Zuletzt geändert am 28.12.2021 - 16:13Uhr
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