Radfahren in Bautzen: Lust oder Frust?

Radfahren in Bautzen: Lust oder Frust?Bautzen / Budyšin, 20. November 2018. Noch bis zum 30. November 2018 läuft der Fahrradklima-Test, eine Umfrage des Radfahrer-Lobbyvereins "Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club" (ADFC), mit der die Radfahrerfreundlichkeit von Städten ermittelt werden soll. Mitmachen kann jeder, der Rad fährt, ob nun ADFC-Mitglied oder nicht. Im Fragebogen geht es beispielsweise um die Wegequalität der Radwege und die Frage, ob das Radfahren in der Stadt eher entspannt oder stressig ist.
Abbildung: ADFC-Zentrale am Bischofsweg in der Dresdner Neustadt

Radfahrer im Spannungsfeld zwischen sorglos, frech und wahnwitzig

Radfahrer im Spannungsfeld zwischen sorglos, frech und wahnwitzig

Fahrräder können vielfältig sinnvoll genutzt werden. Jeder Radfahrer, der nicht aufsteigt, erhöht die Sicherheit im Straßenverkehr

Mitte November hatten in Bautzen bereits 216 Leute den Fragebogen auf www.fahrradklima-test.de ausgefüllt und die Speestadt nach drahteselspezifischen Kriterien bewertet. "Mit 54 ausgefüllten Fragebögen pro 10.000 Einwohnern ist Bautzen im sächsischen Vergleich bereits sehr gut vertreten. Um die Datenqualität zu verbessern, benötigen wir aber noch mehr Personen, die sich an der Umfrage beteiligen", so Konrad Krause, der den Fahrradklima-Test für den ADFC Sachsen koordiniert. Die Befragung soll eine Bestandsaufnahme zum Radverkehr in allen deutschen Städten ermöglichen und sowohl dem ADFC als auch der Politik vor Ort Feedback geben. Der Fahrradklima-Test habe in der Vergangenheit bei vielen Verantwortlichen in der Kommunalpolitik und in den Stadtverwaltungen das Bewusstsein für den Radverkehr geschärft, ist sich Krause sicher.

Der letzte Fahrradklima-Test des ADFC fand 2016 statt. Damals hatten 222 Radfahrer die Stadt Bautzen bewertet, deutschlandweit hatten mehr als 120.000 teilgenommen. Von 364 deutschen Städten mit weniger als 50.000 Einwohnern belegte Bautzen damals in der Endauswertung den 211. Platz. Gut fanden die Pedalritter, dass in Bautzen Einbahnstraßen für Radfahrer in Gegenrichtung geöffnet sind, weniger gut kam der Winterdienst weg. Schlechte Bewertungen gab es zuden für die Fahrradmitnahme in öffentlichen Verkehrsmitteln.

Viele Städte und Gemeinden haben in den letzten Jahren etwas für den Radverkehr getan. Der Fahrradklima-Test zeigt, wie dies in der öffentlichen Meinung angekommen ist. Der Test, der eigentlich nur eine nichtrepräsentative Befragung ist, versteht sich als Gradmesser dafür, wie gut die Bedingungen zum Radfahren in einer Stadt sind.

Mit einer Mindestteilnehmerzahl soll eine gewisse Aussagekraft erreicht werden: Städte und Gemeinden mit weniger als 100.000 Einwohnern brauchen mindestens 50 Teilnehmer, bei bis zu 200.000 Einwohnern sind es 75 und bei mehr als 200.000 Einwohnern sind 100 Teilnehmer notwendig. 2016 kamen deutschlandweit 539 Städte und Gemeinden in die Bewertung, die auf www.fahrradklima-test.de nachgelesen werden kann. Der Fahrradklima-Test ist die größte Befragung zum Radfahrklima weltweit und findet 2018 zum achten Mal statt.

So macht man mit

Der aktuelle Online-Fragebogen kann noch bis zum 30. November 2018 mit dem PC, dem Tablet oder auf dem Smartphone auf www.fahrradklima-test.de ausgefüllt werden, der Zeitaufwand beträgt etwa zehn Minuten. Falls eine Frage auf die eigene Gemeinde nicht zutrifft, weil es zum Beispiel keine Einbahnstraßen oder keine Ampeln gibt, bleibt sie unbeantwortet. Am Ende der Umfrage ist Platz für Anmerkungen und Hinweise zu lokalen Problemen. Diese werden nach Abschluss des Projekts an die zuständige Stadtverwaltung weitergeleitet. Wer in mehreren Städten und Gemeinden mit dem Rad unterwegs ist und eine gute Ortskenntnis besitzt, kann die Infrastruktur in mehr als nur einem Ort bewerten.

Schaut man sich die Teilnehmerzahlen des Fahrradklima-Tests in Sachsen an, so wird deutlich, dass das Thema Radfahren wohl umso mehr unter den Nägeln brennt, je größer eine Kommune ist. Bautzen, Chemnitz, Dresden, Görlitz, Leipzig und Zwickau haben die Mindestteilnehmerzahl erreicht, in vielen kleineren Städten wie etwa Ebersbach-Neugersdorf oder Niesky ist die Beteiligung hingegen eher dürftig.

Radfahrer als Opfer?

Bedenklich an den Aktivitäten des ADFC ist, dass Radfahrer hier pauschal als Opfer eingestuft werden, für die etwas getan werden müsse. Das Verhalten von Radfahrern im öffentlichen Verkehr, das immer wieder im Spannungsfeld zwischen sorglos, frech und wahnwitzig beschrieben werden kann, wird hingegen nicht thematisiert. Für viele der Pedalisten haben Straßenmarkierungen und Verkehrsampeln nicht einmal empfehlenden Charakter und Fußgänger werden immer wieder mit einem Hindernisparcour verwechselt. Vorsicht und gegenseitige Rücksichtnahme sollte auch Radfahrern ins Stammbuch geschrieben werden.

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  • Quelle: red | Foto ADFC: Görlitzer Anzeiger, Foto Blumenfahrrad: FigTreeDesign / Wendy Alessi, Pixabay, Lizenz CC0 Public Domain
  • Zuletzt geändert am 20.11.2018 - 00:43 Uhr
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