Bautzen als Oberlausitzer Wirtschaftslokomotive

Bautzen als Oberlausitzer WirtschaftslokomotiveBautzen / Budyšin, 10. September 2019. Wenn man sich Statistiken ansieht und sie zu lesen versteht, dann erkennt man immer wieder das hohe Potenzial einzelner Regionen im heutigen Ostdeutschland. Dies lässt sich auch an den Konsumdaten des Statistischen Bundesamtes erkennen. Selbst ein Blick auf die Seite von Amazon zeigt, dass viele Kunden aus dem Osten Deutschlands kommen und sich Waren nach Hause senden lassen. Die leidige Geschichte des zurückgebliebenen Ostens Deutschlands ist also nur die halbe Wahrheit.
Abbildung oben: Die Gerberbastei aus dem Jahr 1503 ist einer der unbekannteren Türme der Stadt Bautzen. Heute ist hier eine Jugendherberge untergebracht

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Starke Wirtschaft und und hohe Lebensqualität an der Spree

Starke Wirtschaft und und hohe Lebensqualität an der Spree

Die Mühlbastei entstand um 1468 und ist bei einem Spaziergang entlang der Befestigungsanlagen zu entdecken

Natürlich gibt es auch Regionen im Osten, die nicht so ganz florieren, wie das wünschenswert wäre. Diese Regionen gibt es jedoch auch im Westen des Landes, sie sind somit kein ostdeutsches Merkmal. Für den Osten ein sehr gutes und vor allem positives Beispiel bildet die Stadt Bautzen. Sie liegt im Herzen Ostsachsens und profitiert von der Nähe zu Dresden.

Hier wird vor Ort wie auch online kräftig konsumiert. Die Paketboten und -botinnen können ein Lied davon singen, sind sie es doch, die auf den letzten Metern die Waren in Kartons anliefern, wobei auch lokale Kartons von Kartonsonline zum Einsatz kommen. Dieses Unternehmen führt neben neuen auch gebrauchte Kartons den Versendern und Logistiksystemen wieder zu, was wirtschaftlich und ökologisch zugleich ist. In der Bautzener Wirtschaft finden sich neben Neuansiedlungen und Betriebsübernahmen eine ganze Reihe von klangvollen Traditionsunternehmen, von denen der Hermann Eule Orgelbau, der AFT-Förderanlagenbau, die Perfecta-Schneidemaschinen, das heutige Bombardier-Werk und nicht zuletzt der Bautz'ner Senf – der Bautzen den Beinamen als Senfstadt gegeben hat – nur einige Beispiele für alteingesessene Unternehmen sind, die auch überrregional Bekanntheit erlangt haben.

Bautzen – eine Stadt, die durch Vielfalt, Pragmatismus und Eleganz geprägt ist

Bautzen gehört zu jenen Städten im Osten, die auf einem guten Weg sind. Was dem Besucher als erstes auffällt, ist das historische Stadtbild, in dem sich jedoch immer wieder harmonisch kontrastierend der Mut zu moderner Architektur finden lässt, so beispielsweise am Kornmarkt, wo ein monströser Betonklotz aus "DDR"-Zeiten durch eine Wohn- und Geschäftsbebauung ersetzt wurde, deren farbenfrohe, architektonisch hervorragend gestaltete Fassade signalisiert: Bautzen ist modern! Auch in der Bautzener Altstadt findet der geneigte Betrachter solche Kontrastpunkte, die jedoch den Gesamteindruck des historischen Stadtbildes keineswegs beeinträchtigen.

Was eine Stadt jedoch wirklich ausmacht, sind ihre Bewohner. Bei allen Diskussionen zwischen Stadtrat und Amtsträgern, so zum Krone-Areal, hat die Stadt an der Spree seit inzwischen Jahrzehnten nach außen den Eindruck verfestigt, die Verwaltung orientiere sich stärker als anderswo an pragmatischem Handeln. Natürlich findet so eine Politik der sicheren und erfolgversprechende Schritte nicht unisono Beifall, manchem geht alles zu langsam, andere wollen lieber bewahren als zu verändern.

Bei aller Vielzahl der Meinungen, die natürlich auf höchst unterschiedlichen Blickwinkeln beruhen und wohl nur selten das Große und Ganze überschauen, darf sich Bautzen seine Erfolge nicht kleinreden lassen. So sank die Gesamt-Arbeitslosenquote in Bautzen von August 2018 bis August 2019 um 0,6 auf nun 6,0 Prozent, was einer Vollbeschäftigung nahe kommt. Wer also heutzutage Zustände kritisieren möchte, sollte nicht vergessen, das Erreichte zu erwähnen und bedenken, dass man beim Blick in den Rückspiegel immer schlauer ist – komplexe Veränderungen zu steuern ist jedoch eine ganz andere Angelegenheit als Ergebnisse zu kritisieren.

Wer Bautzen als Gast besucht, sollte nicht nur die touristischen Hauptmeilen von der Reichenstraße bis zur Ortenburg abspazieren. In der Altstadt sind die heimeligen Gassen ebenso einen Besuch wert wie die äußeren Wege an der Stadtbefestigung. Eine Rolle spielt natürlich, ob man die Stadt durch die Brille des Touristen oder die des Unternehmers sieht. Vielleicht, so der Eindruck, sind manchen Einheimischen beide Brillen verloren gegangen? Sicherlich ist es immer gefragt, den Stolz auf die Stadt mit gemeinnützigem oder unternehmerischen Engagement zu verbinden, schon, damit es weiter vorwärts geht.

Architektur und Türme als Blickfang von Bautzen

Einmal vor Ort in Bautzen ist es erlaubt, der Faszination des Stadtbildes, wie es sich schon bei der Anreise auf der Autobahn aus Richtung Westen vor der Silhouette des Lausitzer Berglandes zeigt, zu erliegen. Bemerkenswert sind die Türme der Stadt Bautzen, wer sich auf der Webseite umsieht, bekommt zumindest eine Vorstellung von der wechselvollen Geschichte der Stadt.

In Bautzen zu leben, ist eine besondere Qualität in der Oberlausitz. Die Stadt ist in der City kleinteiliger als das berühmte Görlitz, quirlige Betriebsamkeit wechselt sich innerhalb weniger Schritte mit stillen Winkeln ab. Die Nähe zu Dresden ist ebenso spürbar wie die ländlichen Ortsteile. Nicht zuletzt sehen die Sorben Bautzen als ihre Hauptstadt an, was vor allem eine kulturelle Bereicherung ist. Ein Besuch in der Stadt bewirkt vor allem eins: Man ist sich sicher, wiederzukommen.

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  • Quelle: red | Fotos: © Bautzen Anzeiger
  • Erstellt am 10.09.2019 - 15:45Uhr | Zuletzt geändert am 10.09.2019 - 17:51Uhr
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