Ostsachsen als aufstrebende Wirtschaftsregion in Deutschland

Ostsachsen als aufstrebende Wirtschaftsregion in DeutschlandBautzen / Budyšin, 4. Oktober 2019. Deutschland liegt wirtschaftlich im Spitzenfeld Europas. Entsprechend ist der Wohlstand hoch. Will man den Wohlstand europaweit vergleichen, muss man ihn zunächst definieren: Steht das Bruttoinlandsprodukt im Mittelpunkt oder das verfügbare Pro-Kopf-Einkommen? Fließen auch die Wohnfläche, die Absicherung im Alter und die überhaupt die Lebenserwartung ein? In der EU bilden regelmäßig Luxemburg, Deutschland und Österreich die Spitzengruppe, im geografischen Europa kommt noch Norwegen hinzu.
Abbildung oben: Ein Zeichen des Aufschwungs ist das Bistro-Café an der Neusalzaer Straße, die an den Gewerbepark Wilthener Straße grenzt

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Bautzen mit besonderem Potenzial

Bautzen mit besonderem Potenzial

Wer erstmals nach Bautzen kommt und seinen Weg über die Autobahn nimmt, sollte in Bautzen-West abfahren, um bei der Fahrt über die Friedensbrücke das Altstadt-Panorama zu sehen

Allerdings hat sich in Deutschland bezogen auf den Wohlstand nie ein einheitliches Bild geboten: Der Osten des wiedervereinigten Deutschlands war immer ein Außenseiter was die wirtschaftliche Entwicklung anbelangt. Zwar ist das Wachstum der Wirtschaftleistung dem der westlichen Bundesländer vergleichbar, doch müsste es deutlich höher sein, um den Aufholprozess voranzubringen.

Nicht vergessen darf man dabei, dass weder innerhalb der alten wie auch der neuen Bundesländer homogenen Wohlstandsstrukturen bestehen. So geht es bestimmten Regionen in den alten Bundesländern besonders schlecht, während der Speckgürtel um Berlin herum stark prosperiert.

Investitionen und Zuzug bedingen einander

Es gibt aber in den letzten Jahren ein steigendes Aufkommen an positiven Signalen, was die wirtschaftliche Entwicklung des Ostens betrifft – auch in Ostsachsen. So kann die Stadt Bautzen nicht nur auf Traditionsbetriebe verweisen, die den Sprung in die Marktwirtschaft geschafft haben, sondern auch auf potente Neuansiedlungen, was eine großartige Leistung angesichts der konkurrierenden Standorte, die sich gegenüber Investoren mit Offerten überbieten, ist.

Die gegenwärtige Wirtschaftssituation mit ihren nationalen Umbrüchen (wie dem Strukturwandel in der Lausitz oder den Maßnahmen zur Verlangsamung des Klimawandels) wie auch der Zoll- und Embargopolitik auf internationalem Parkett macht es nicht einfacher, Investoren zu gewinnen. Zwar winken Fördermittel und die Mitarbeiter sind im Osten vergleichsweise preiswert, jedoch ist die Auswahl an passend Qualifizierten in vielen Branchen geringer. Insgesamt werden Unternehmer und Investoren in diesem Umfeld vorsichtiger und spitzen den Bleistift besonders gut, wenn sie die Potenziale der Effizienzsteigerung im Verhältnis zum Investitionsaufwand abwägen. Investieren muss man bei einer Neuansiedlung jedoch immer: Man braucht ein Büro, muss dieses mit Arbeitstischen, Bürosesseln und Regalen möblieren und – auch wenn es altmodisch klingt – Spinde kaufen, damit die Mitarbeiter ihre Sachen unterbringen können und die Räume jederzeit einen repräsentativen Eindruck machen.

Bautzen ist schließlich nicht irgendeine Stadt, wenn es um Attraktivität und Lebensqualität geht, und wird nicht umsonst sehr gern – manchmal mit etwas Neid – als positives Beispiel einer aufstrebenden Region angeführt. Der Bericht "Bautzen – Wirtschaft in Zahlen 2019" untermauert das.

Wodurch kann Bautzen als Wirtschaftsstandort punkten?

Wer potenzielle Investoren durch die Stadt führt, dem fällt immer wieder auf, wie sehr diese auf die Lebensbedingungen achten. Bautzen überzeugt durch seinen historischen Altstadtkern. Schon der Blick von der Friedensbrücke auf das Altstadtpanorama mit der Alten Wasserkunst lässt ahnen, dass es eine Lust ist, hier seinen Lebensmittelpunkt zu nehmen. Hinzu kommt der bikulturelle Aspekt der Spreestadt als gar nicht heimliche Hauptstadt der Sorben. Erst wenn sich Investoren davon überzeugt haben, dass die weichen Faktoren stimmen und die Menschen vor Ort ihre Freizeit so genießen können, dass sie auf Arbeit Lust auf Leistung entwickeln und aus voller Kraft schöpfen können, wenden sie sich den eher harten Fakten zu.

Auch bei denen braucht sich Bautzen nicht zu verstecken: Die zentrale Lage zwischen dem nahen Dresden als Tor zum sächsischen Goldenen Dreieck, das die Elbestadt mit Chemnitz und Leipzig bildet, einerseits und andererseits Görlitz und Breslau (Wrocław) sowie zwischen Berlin sowie Reichenberg (Liberec) und Prag (Praha) ist durch die gute bis sehr gute logistische Anbindung lukrativ und dient dem Wirtschaftsstandort Bautzen ebenso wie die vorhandene Unternehmensstruktur und die Gewerbe- und Industriestandorte mit ihren Flächenangeboten. Die logistische Erschließung besteht vor allem im Anschluss an die Autobahn wie auch die Bahnstrecke zwischen Dresden und Görlitz, von der man auch bequem nach Süden über Zittau bis nach Reichenberg und weiter gelangt. Nur fünf Autominuten von der Autobahn entfernt befindet sich der Verkehrslandeplatz Bautzen, der zu jeder Tages- und Nachtzeit auch bei schlechten Witterungsbedingungen angeflogen werden kann.

Die Bautzener Verwaltung und der Stadtrat sind bemüht, Zuzugswilligen erstklassige Rahmenbedingungen zu bieten, mehrere Eigenheimstandorte sind ausgewiesen. Das Kulturangebot und die landschaftlich reizvolle Umgebung passen. Damit sollte es der Wirtschaft vor Ort gelingen, weiter viele qualifizierte Menschen nach Bautzen zu holen. Wer sich dafür interessiert und die Stadt noch nicht kennt, sollte einfach mal ein langes Wochenende investieren und die Stadt zu Fuß erkunden – nicht nur die Hauptstraßen, sondern auch die Gassen und die Wege an den alten Stadtbefestigungen. Mit den Bautznerinnen und Bautzner kommt man leicht ins Gespräch. Wenn sie mal schimpfen, darf man leise fragen: "Wisst ihr eigentlich, was ihr habt an dieser Stadt, wir gut ihr hier lebt?"

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  • Quelle: red | Fotos: © Bautzen Anzeiger
  • Erstellt am 04.10.2019 - 14:53Uhr | Zuletzt geändert am 04.10.2019 - 17:55Uhr
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