Welt der Technik und Technikgeschichte

Welt der Technik und TechnikgeschichteSaalberg (Zachełmie), 15. Mai 2021. Von Thomas Beier. Wer Begeisterung für die sogenannten MINT-Fächer, also für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, wecken möchte, kann sich zu diesem Zweck einer Vielzahl großartiger Forscher und Ingenieure und ihrer spannenden Lebensgeschichten bedienen. Sie machten im 19. und 20. Jahrhundert herausragende Erfindungen – Erfindungen wie zum Beispiel das Duraluminium, ohne die das moderne Leben undenkbar wäre.

Abb.: Aluminium ist wie Stahl eine universeller Werkstoff, nur viel leichter. Sein Vorteile spielt das kurz Alu genannte Material aus bei Getränkedosen, Leitern, Wintergartenkonstruktionen, Fassadenverkleidungen, im Geräte-, Fahrzeug- und Flugzeugbau sowie – als letztes Beispiel – bei der Alufolie, die wohl in keinem Haushalt fehlt
Foto: Helena Cuerva, Pixabay License (Bild bearbeitet)
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Die Geschichte des Aluminiums

Zu ihnen zählt Alfred Wilm. Nanu, wer ist das? Stimmt, Alfred Wilm will entdeckt sein und dazu ist eine Geschichte zu erzählen. Die Geschichte beginnt im Riesengebirge, im Örtchen Saalberg, das heute Zachełmie heißt. Dort steht am Berghang ein Haus, der Berghof, in einem parkähnlichen Grundstück, daran ein altes, aber schönes Holzschild in deutscher Sprache mit der Aufschrift, dass hier der Erfinder des Duraluminiums lebte – eben jener Alfred Wilm, geboren 1869 in Niederschellenberg in Schlesien, gestorben 1937 in Saalberg.

Will man über Alfred Wilm berichten, muss man zunächst auf die Geschichte des Aluminiums eingehen. Zwar ist das Element Aluminium das häufigste Metall in der Erdkruste und dritthäufigste Element, kommt aber in reiner – der Bergmann sagt gediegener – Form nur selten und wenn in Mineral-Aggregaten und sogenannten Mikronuggets vor, ganz selten sind tafelige Aluminiumkristalle mit bis zu rund einem Millimeter Größe. Gediegenes Aluminium wurde erstmals 1978 in Jakutien in der Sowjetunion gefunden.

Da es sich um ein besonders unedles Metall handelt, ist es in der Natur fast nur in Verbindungen zu finden. Bekannt ist als Form des Aluminiumoxid Al2O3 der Korund, der als Schleifmittel genutzt wird, seine Varietäten Rubin und Saphir hingegen sind als Edelsteine beziehungsweise Schmucksteine bekannt. Gewonnen wird Aluminium allerdings aus dem Aluminiumerz Bauxit. Bedeutsam ist das Recyling des Aluminiums, das nur ein Zwanzigstel der Energie im Vergleich zur Aluminiumgewinnung aus Bauxit benötigt.

Seit 1782 gabe es Vermutungen zur Existenz von Aluminium, erst 1825 konnte es erstmals erzeugt werden – das neue Metall war zunächst teurer als Gold. 1886 wurde das Elektrolyseverfahren zur Aluminiumherstellung erforscht und erst 1889 entwickelte der Österreicher Carl Josef Bayer das Verfahren, mit dem Aluminium noch heute großtechnisch hergestellt wird.

Ausscheidungshärtung: Aluminium nimmt es mit Stahl auf

Aluminium ist zwar gut umformbar – der Görlitzer Anzeiger erwähnte in einem Beitrag die Verarbeitung von Aluminium in der Metalldrückerei – und hat eine ebensolche elektrische Leitfähigkeit, doch an Festigkeit und Härte ließ es zu wünschen übrig. Hier kommt Alfred Wilm ins Spiel: Vereinfacht gesagt gelang es ihm, die in der Stahlproduktion angewendeten Technologien auf eine spezielle, von ihm entwickelte Aluminiumlegierung zu übertragen. Verliert Aluminium ähnlich wie beim Härten von Stahl schnell an Temperatur und bleibt dann liegen, steigt infolge der sogenannten Ausscheidungshärtung – die sich Grundlegend von der Stahlhärtung unterscheidet – seine Festigkeit: Zugfestigkeit, Dehngrenze und Brinellhärte erhöhen sich um ein Mehrfaches und erreichen Größenordnungen wie bei einem weichen Stahl.

Als einziger Nachteil stellt sich eine erhöhte Korrosionsanfälligkeit ein, der mit Eloxieren, dem Auftrag von Reinaluminium oder Farbauftrag begegnet werden musste. Unter Eloxieren versteht man die elektrolytische Oxidation von Aluminium, die zur Bildung einer dickeren Schutzschicht aus Aluminiumoixd führt, als das auf natürliche Weise möglich ist

Zunächst ab 1909 unter den Marken Duraluminium und DURAL wurde dem neuen Werkstoff ein schneller Erfolg beschert. Großtechnisch fand Duraluminium ab 1911 im Luftschiffbau Anwendung. Hugo Junkers , der ab 1895 in Dessau als Ingenieur und Unternehmer tätig war, baute unter Verwendung von Duraluminium 1917 das Jagdflugzeug J7 und 1919 mit der F13 eines der ersten Ganzmetall-Verkehrsflugzeuge der Welt. 1933 wurde der Pazifist von den Nationalsozialisten enteignet und starb zwei Jahre in einer Art Verbannung in Bayern – Dessau hatte er nicht mehr betreten dürfen. Werkstoffe auf Basis des Duraluminiums bestimmen bis heute den Flugzeugbau und ziehen immer stärker in die Kraftfahrzeugindustrie ein.

Wilms hatte recht wenig von seinem Erfolg als Erfinder des Duraluminiums. Zwar wurde er vielfach ausgezeichnet, aber viele Aluminiumhersteller missachteten sein Patent, die Rechtsstreitigkeiten wurden jedoch finanziell wie auch mental zu belastend. 1919 wurde er Landwirt auf dem erwähnten Berghof in Saalberg, wo er Hühner züchtete und 18 Jahre später starb.

Aluminium heute

Heute wird Aluminium vielfältig verwendet, etwa gewalzt bis zu dünnwandigen Getränkedosen, zerspant oder im Druckgussverfahren verarbeitet, im Landkreis Görlitz bemerkenswert bei BORBET in Kodersdorf zu Pkw-Felgen. Als Werkstoff ist Aluminium in unterschiedlichen Formen verfügbar, etwa als Barren, Draht und Stangenmaterial, als Bandmaterial von der Rolle oder als Aluplatte Zuschnitt vom Profi, selbstverständlich.

Im Karosseriebau wird Stahlblech teils von Präzisions-Druckguss-Bauteilen abgelöst, wenn das Gewicht im Vordergrund steht. Auch im Maschinenbau hilft der Einsatz von Aluminium in Bearbeitungszentren, dank Massenreduzierung Wechselzeiten zu verringern. Hier und in weiteren Bereichen spielt Aluminium seine Hauptvorteile aus: leicht, stabil, etwa für Kühlzwecke sehr gut wärmeleitend und, heute immer wichtiger, vollständig recycelbar.

Für Bautzen wichtig ist der ehemalige Bombardier-Standort, der jetzt zu Alstom gehört, und umfassende Kompetenzen im Straßenbahnbau besitzt. Bombardier Görlitz hingegen ist das Kompetenzzentrum für die Fertigung von Wagenkästen aus Stahl und – Aluminium. Das Aluminiumwerk in Lauta im Norden des Landkreises Bautzen hingegen ist seit 1990 Geschichte.

Mehr:
Auf der Seite agrotourfarm.pl/de finden sich Bilder des Berghofs mit dem erwähnten Schild an der Giebelseite. Den Besitzern Hanna und Kasimir ist es zu verdanken, dass dieses Schild auch in der Zeit, als in Polen die Kommunisten an der Macht waren, gut versteckt erhalten blieb.

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  • Quelle: Thomas Beier | Foto: Helena / Helena Cuerva, Pixabay License
  • Erstellt am 15.05.2021 - 06:46Uhr | Zuletzt geändert am 15.05.2021 - 07:54Uhr
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