Sachwerte, eine riskante Geldanlage?

Sachwerte, eine riskante Geldanlage?Bautzen / Budyšín, 11. Februar 2022. Von Thomas Beier. Die fröhlich voranschreitende Inflation lässt Sparer nach Möglichkeiten suchen, ihr Geld krisensicher anzulegen. Wem Aktien und die Produkte des Geldmarktes suspekt sind, der fühlt sich versucht, in Sachwerte zu investieren. Ein genauerer Blick darauf kann helfen, sich vor Fehlentscheidungen zu schützen.

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Sachwerte an sich und mehrwertschaffende Sachwerte

Grundsätzlich sind bei Sachwerten, die man als Gegenstände im weitesten Sinne unmittelbar erwirbt, zwei Bereiche zu unterscheiden: Zum einen Dinge, die einen Wert an sich haben – wie etwa Platin, Gold oder Diamanten – und zum anderen Dinge, mit denen sich neue Werte – Mehrwert genannt – schaffen lassen. Dazu zählen beispielsweise Maschinen für die Produktion oder ein Computer, wenn er nicht nur zum Spielen genutzt wird, sondern etwa um geistiges Wissen zu digitalisieren und zu verkaufen.

Es liegt auf der Hand, dass das Schaffen von Mehrwert dem unternehmerischen Bereich zuzuordnen und mit Arbeit verbunden ist. Nun ist wirklich zu arbeiten allerdings nicht jedermanns Sache, weshalb hier die Wertsachen im Mittelpunkt stehen sollen.

Wo bei Diamanten der Hase im Pfeffer liegt

Wer sein Geld in preislich überschaubare Sachwerte – weswegen etwa Immobilien und absolute Luxusautos hier einmal außen vor bleiben sollen – stecken will, sollte sich der Risiken bewusst sein. Diamanten liefern ein Beispiel dafür.

Hochwertige Diamanten sind als Geldanlage recht praktisch. Sie nehmen nicht viel Platz weg und können zu Schmuck verarbeitet sogar präsentiert werden – und auf der Flucht passen sie notfalls in die Hosentasche. Bis vor wenigen Jahren war die Diamantenwelt in Ordnung: Es gab die natürlichen, oft aus den Kimberlit-Schloten in der Nähe der südafrikanischen Stadt Kimberley, nach der das die Diamanten führende Magmagestein benannt wurde, und die sogenannten Industriediamanten, künstlich hergestellt, für Schmuckzwecke ungeeignet, dafür umso besser für spanabhebende Werkzeuge.

Markt der Schmuckdiamanten im Umbruch

Die Annahme, dass Schmuckdiamanten ein Wert für die Ewigkeit sind, begann vor wenigen Jahren zu bröckeln, als erstmals künstliche Diamanten in Schmuckqualität hergestellt wurden, selbstredend zu Spottpreisen in Relation zu gleichartigen Naturdiamanten. Nun verändert sich der Markt: Die natürlichen Vorkommen an erstklassigen Diamanten gehen zur Neige, was die Preise nach oben treibt, andererseits drängen künstliche Diamanten auf den Schmuckmarkt. Wenn aber der Stein völlig gleichartig ist, wird ein Käufer dann bereit sein, für ein Echtheitszertifikat, das einen Naturdiamanten garantiert, einen sehr deutlichen Mehrpreis zu zahlen?

Diese Situation könnte jenen in die Hände spielen, die Diamanten aufkaufen – nämlich dann, wenn Diamantenbesitzer versuchen sollten, ihre wertvollen Steine oder Erbstücke noch zu verkaufen, ehe die künstlich hergestellte Konkurrenz einen Wertverlust einleitet. Wonach Diamanten bewertet werden, kann man auf dieser Webseite für den Diamanten Ankauf finden.

Diamanten in der Pappschachtel: Plötzlich steinreich?

Zum Thema Diamanten kann ich noch eine lustige Geschichte beisteuern: Mein Vater war Bergingenieur, er hatte an der Freiberger Bergakademie Mineralogie studiert, weil die Sowjets, die ab 1946 im Erzgebirge in großen Stil den Uranbergbau auffuhren, Experten brauchten und ihn zum Studium verdonnert hatten. Mineralien waren auch zu Hause Hobby und Ihre Bestimmung mit Blasrohr, Holzkohle und Bor oder mit der Mohsschen Härteskala, einer von Friedrich Mohs (1773-1839) eingeführten zehnstufigen Skala – vom weichen Talk bis zum härtesten Naturstoff, dem Diamanten – war fast Alltag.

Eines Tages, es muss Anfang der 1970er Jahre gewesen sein, tauchte mein Bruder mit einer Schachtel auf und sagte zum Vater: "Guck mal, was ich habe, alles Diamanten!" Vater guckte ungläubig und meinte: "Ach, das ist bestimmt nur Strass!" – also eine Edelstein-Imitation aus Bleiglas. Ihm fiel nicht auf, wie sehr die Augen meines Bruders funkelten, wie immer, wenn er etwas im Schilde führte und jemanden necken wollte. Jedenfalls holte Vater das Kästchen mit den Mineralien der Mohsschen Härteskala, um mit Ritzproben die Härte der vermeintlichen Glasklunker zu bestimmen.

Es war spanned: Die erste Ritzprobe erfolgte mit Kalkspat, dem Calcit, doch die geschliffenen funkelnden Steine waren härter, härter auch als die nächste Probe mit Flußspat, auf der Mohsschen Härteskala Nummer 4. Noch härter ist Nummer 5, der Apatit, doch auch der war weicher als die Proben. "Logisch", meinte der Vater, "Glas hat ja auch Härte 6!" Aber nanu, auch die entsprechende Probe mit Orthoklas wurde geritzt. Vater wurde immer ernster, während der Bruder immer offener grinste.

Um es kurz zu machen: Auch die Härtegrade 7, 8 und 9 – Quarz, Topas und Korund – wurden geritzt: Es mussten Diamanten sein! Woher die wohl stammten, darüber grübelte der Vater tagelang, denn mein Bruder sagte dazu keinen Mucks. Erst später klärte er sie Sache auf: Es handelte sich um Industriediamenten, die – obwohl seit den 1950er Jahren eingesetzt – damals im Osten noch weithin unbekannt waren.

Sachwerte in Krisenzeiten

Zurück zum Thema Sachwerte. Wie sich der Wert von Diamanten entwickeln wird und ob sie ihren hohen Wert behalten, das kann aus Laiensicht nicht beurteilt werden und hängt sicherlich zudem von den Strategien der Diamantenhändler ab. Allerdings darf man fragen, was klassische Wertgegenstände, wie sie für Kapitalanleger interessant sind, etwa kleine Goldbarren, in Krisenzeiten noch wert sind: Im Hungerwinter 1946/47 ging so mancher goldene Ehering gegen ein Brot über den Tisch.

Bei Anschaffungen die Wertentwicklung einkalkulieren

An Wertverlust oder Werthaltigkeit sollte man jedoch bei bestimmten Anschaffungen durchaus denken. Wer etwa ein Motorrad kaufen und vielleicht zu den Bautzener Bikern gehören möchte, der könnte in seine Kaufentscheidung einfließen lassen, dass – so wird jedenfalls zuweilen behauptet – eine berühmte amerikanische Motorradmarke als Gebrauchtfahrzeug immer wieder den Neupreis – und zwar inflationsbereinigt – erzielt; geprüft haben wir diese Behauptung allerdings nicht.

Der Zusammenhang zwischen hochwertig, langlebig und wertstabil beziehungsweise geringerem Wertverlust ist bei vielen Gütern jedoch nicht von der Hand zu weisen und steht außerdem immer wieder für einen starken Nachhaltigkeitsaspekt.

Mehr:
Jakob Pallinger auf derstandard.de vom 7. Mai 2021:
Diamanten aus dem Labor könnten natürliche Diamanten bald ablösen

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  • Quelle: Thomas Beier | Foto: Nederland / FotoRieth, Pixabay License (Bild bearbeitet)
  • Erstellt am 11.02.2022 - 14:53Uhr | Zuletzt geändert am 11.02.2022 - 15:53Uhr
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