Ohne Berater geht nichts mehr

Ohne Berater geht nichts mehrBautzen / Budyšin, 18. März 2022. Von Thomas Beier. Schön war die Zeit: Nur wenige erinnern sich noch an die Bürowelt der Nachkriegszeit. Zur Zigarre sondierte der Herr Direktor die Geschäftspost, rief das Fräulein zum Diktat und Gespräche mit Geschäftspartnern wurden gern mit einem guten Cognac erleichtert. All das steht heute leider ein wenig in Verruf – und nicht selten sitzt eine Dame im Chefsessel.

Abb.: Die gute alte Bürowelt mit Schreibmaschinengeklapper, Hängeregistratur und Aschenbecher macht ein wenig sentimental

Symbolfoto: Gerson Martinez, Pixabay License

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Management führt zu veränderter Unternehmenskultur

Ein ganz wesentlicher Unterschied zur guten alten Zeit – die spätestens 1981 endete, als der erste IBM-PC begann, die Bürowelt auf den Kopf zu stellen – ist aber, dass der Firmenpatriarch oder die Prinzipalin alle wesentlichen Entscheidungen selbst trafen, ohne diese auf angestellte Manager zu delegieren. Heute hat sich das längst gedreht: Die selbst in der Firma aktiven Inhaber sind selten geworden, ihren Job haben angestellte Manager übernommen.

Das bringt neue Formen der Unternehmenskultur mit sich: Während in einem inhabergeführten Unternehmen der Chef alles selbst verantwortete und nicht selten mit seinem gesamten Vermögen haftete, suchen moderne Manager verstärkt nach Absicherung. Die besteht nicht nur in Versicherungen, sondern auch in Gutachten und Studien, auf die man sich berufen kann, und in Beratern, die ihre Expertise einbringen.

Ohne das Knowhow der Berater geht es nicht mehr

Obgleich die Beraterbranche oft kritisch gesehen wird, ist sie doch unverzichtbarer denn je. Völlig schlüssig ist das etwa beim Steuerberater, auf den kaum ein Unternehmen verzichten kann. Aber auch ohne Rechtsberater in Gestalt von Rechtsanwälten kommt kein Unternehmen mehr aus. Dabei geht es nicht nur um Rechtsstreitigkeiten, sondern auch um Vertragsgestaltungen – und schon wäre auch der Notar anzuführen.

Unterm Strich haben sich viele für die erfolgreiche Führung eines Unternehmens nötige Handlungsfelder so entwickelt, dass sie ohne Berater nicht mehr beherrschbar sind. Dabei geht es gar nicht um das Klischee des Unternehmensberaters, der sein Geld mit dem gespitzten Bleistift verdient und ständig auf der Suche nach Kostensenkungen ist. Wichtige Positionen im Betrieb passgenau besetzen, das ist ohne Head Hunter oder Personalberater kaum noch zu stemmen. Das Unternehmen flexibel und zukunftsrobust aufstellen: Wie, wenn ohne Führungskräfte- und Organisationsentwickler? Einkauf, Verkauf, Vertrieb, Online Marketing – ohne externes Knowhow ist all das immer weniger erfolgversprechend realisierbar.

Top-Thema Logistik

In jüngerer Zeit ist mit dem praxisorientierten Logistik Consulting als Beratungsfeld ein weiterer Ansatzpunkt entstanden, der aktuell brandheiß ist. Hier geht es nicht allein um die Beseitigung von Engpässen, sondern um Fragen unterschiedlichster Art. Betroffen sind jedoch im Grunde zwei Bereiche:


    • Der eine sind grundsätzliche Fragen wie etwa die Beauftragung einer Spedition im Vergleich zu einem eigenen Fuhrpark oder auch das Outsourcing des Lagers gegenübergestellt zur Lagerhaltung inhouse.

    • Im anderen Bereich geht es um die Optimierung der bestehenden Prozesse. Typisch sind etwa die schwankende Fuhrparkauslastung oder die Zusammenstellung einzelner Warensendungen aus unterschiedlichen Lagern zu einer Gesamtlieferung, wie sie von Kunden oft gewünscht wird.

Auch die schwankende Auftragslage im Zuge eines saisonabhängigen Geschäfts bedarf unter Umständen externen Sachverstands, um für Lieferanten kostengünstige Lösungen zu entwickeln. Mal drastisch: Das Glühwein-Abo mit konstant zehn Flaschen monatlich anzustreben, das ist einfach nur Schmarr’n.

Zwei Arten von Beratern

Unternehmer, die selbst im Tagesgeschäft stehen, brauchen im Grunde zwei Spezies aus der Gattung der Berater. Die eine Spezies ist der Unternehmensberater schlechthin, der beispielsweise den Steuerberater nicht ersetzt, aber weiß, worüber der Unternehmer mit dem Steuerberater sprechen sollte. Hintergrund: Der Steuerberater mit seiner Vielzahl an Mandanten kann unter Umständen die spezifische Situation und mögliche Pläne des einzelnen Mandanten gar nicht kennen und ist regelrecht darauf angewiesen, dass dieser selbst wichtige Punkte anspricht.

Die andere Berater-Spezies sind die tatsächlich hochspezialisierten Fachexperten, die auf ihrem Fachgebiet einen enormen Wissensvorsprung haben. Ob Arbeitsrecht, Exportbestimmungen und Logistik oder etwa Online Marketing oder der IT-Einsatz im Unternehmen überhaupt: Das jeweils erforderliche spezifische Knowhow plus Erfahrungen kann ein Unternehmen in aller Regel nicht selbst vorhalten.

Kulturzuschlag:
So schön war die Zeit

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  • Quelle: Thomas Beier | Foto: gersonmartinez16 / Gerson Martinez, Pixabay License
  • Erstellt am 18.03.2022 - 11:43Uhr | Zuletzt geändert am 18.03.2022 - 12:52Uhr
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