Martha Fuchs, aus Bautzen

Bautzen / Budyšin, 22. Januar 2019. Viele Frauen nehmen ihr Schicksal mit deutlich mehr Verantwortung an als der testosterongetriebene Teil der Menschheit. In schwierigen Situationen neigen sie zu pragmatischem Handeln. Zweifelsohne gehört die in Grubschütz / Hrubjelčicy bei Bautzen geborene Martha Marie Fuchs, geborene Büttner (1892-1966) zu ihnen. Nun zeichnet ein Buch den Lebensweg dieser bemerkenswerten Frau, die trotz enormer persönlicher Belastungen die erste Frau, die nach dem Zweiten Weltkrieg in den Westzonen, der Trizone, ein Ministeramt innehatte.

Eine bedeutende Politikerin, über die bislang wenig bekannt ist

"Lebensstationen einer Braunschweiger Politikerin" heißt das druckfrisch erschienene Buch, das den Lebensweg der Politikerin eindrucksvoll nachzeichnet.

Im Alter von 13 Jahren verlor sie ihre Mutter und musste sich fortan allein um ihre vier kleineren Geschwister und den Haushalt kümmern. Der sozialdemokratisch geprägte Vater war Inhaber einer besonders unter Arbeitern und Gewerkschaftsmitgliedern beliebten Gastwirtschaft am Bautzener Fleischmarkt. Nach kaufmännischer Berufsausbildung und kurzer beruflicher Tätigkeit kehrte Martha während des Ersten Weltkrieges wieder nach Bautzen zurück und lernte hier den politisch sehr aktiven Sozialdemokraten Georg Fuchs kennen. Nach ihrer Heirat 1919 zogen Martha und Georg 1923 nach Braunschweig, weil Georg dort eine Anstellung als Redakteur bei der sozialdemokratischen Zeitung "Braunschweiger Volksfreund" bekam. In Braunschweig wurde auch Martha zunehmend gesellschaftlich und politisch aktiv.

Ihre politische Laufbahn begann Martha Fuchs im Jahre 1925 als sozialdemokratische Stadtverordnete in Braunschweig und bereits 1927 wurde sie in den Braunschweigischen Landtag gewählt. Mit der Machtergreifung der Nazis endeten ihre berufliche uind politische Arbeit abrupt, sie wurde von den Angehörigen der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) verfolgt, verhört und gequält. Von August 1944 bis April 1945 war sie im KZ Ravensbrück, bei der Evakuierung des Lagers kurz vor Ende des Krieges flüchtete sie gemeinsam mit zwei Jüdinnen.

Nach Kriegsende wurde sie Ratsherrin in Braunschweig, 1946 für sieben Monate Kultusministerin des Landes Braunschweig und 1947 und 1948 für knapp anderthalb Jahre Staatskommissarin für das Flüchtlingswesen im Lande Niedersachsen mit Ministerrang. Von 1947 bis 1951 war sie als SPD-Abgeordnete Mitglied des Niedersächsischen Landtags, ebenso von 1954 bis 1955. Bereits 1949 wurde sie als erste Frau überhaupt Vorsitzende eines SPD-Bezirks.

Im Mai 1959 wurde Fuchs zur Braunschweiger Oberbürgermeisterin gewählt, ein Amt, das sie fünf Jahre lang ausübte. Kurz nach ihrem altersbedingten Rücktritt verstarb die hoch geschätzte Politikerin in ihrer Wahlheimat Braunschweig.

Regina Blume, Autorin des Buches, hat den Lebensweg von Martha Fuchs über viele Jahre akribisch erforscht – angesichts der spärlichen Quellenlage ein schwieriges Vorhaben. Umso wertvoller ist das Buch als ausführliche Monographie zur ersten Oberbürgermeisterin einer deutschen Großstadt. Erschienen ist das Buch ist im Johann Heinrich Meyer Verlag, Braunschweig, erhältlich ist es im Buchhandel.

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  • Quelle: red
  • Zuletzt geändert am 22.01.2019 - 00:15 Uhr
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