Bautzen hat wieder miteinander geredet

Bautzen hat wieder miteinander geredetBautzen / Budyšin, 15. Mai 2019. Vorgestern fand die zweite Veranstaltung "Bautzen, wir müssen reden!" im Museum Bautzen statt. Eingeladen wurden dazu 50 Bautzenerinnen und Bautzener aus den Reihen der Fraktionsvorsitzenden der im Stadtrat vertretenden Parteien und Gruppierungen, Vertreter städtischer Eigenbetriebe, Vereine sowie der Tourismus- und Planungsverbände, aus dem Krankenhaus, der Berufsakademie Bautzen, Gewerkschaften, auch Pfarrer, Blogger, Medienvertreter, Vertreter der Kammern und Verbände, des Theaters, der Wohnungsbaugesellschaften sowie sorbische Vertreter. 50 weitere Karten wurden in freier Vergabe an Bürgerinnen und Bürgern abgegeben.
Abbildung: Beim Bürgerdialog am 13. Mai 2019

Was macht Identität aus?

Schließlich haben insgesamt 90 Personen die Chance wargenommen, über das Thema Identität zu diskutieren. In den zehn Gesprächsrunden, über deren Zusammensetzung das Los entschieden hatte, wurde teils kontrovers und kritisch diskutiert, aber immer respektvoll. Konsens war für alle, dass man nicht aufgrund seiner Geburt oder seiner Wohnortwahl per sé "Bautzener" ist. Heimat definiere sich eher über Familie, Freunde, Umfeld und gesellschaftliches Engagement. Jeder habe das Recht auf eine freie Meinungsäußerung, aber jedem sollte dieses Recht auch ausnahmslos zugesichert werden. "Demokratie braucht Streit", sagte Oberbürgermeister Alexander Ahrens schon zur Eröffnung der zweistündigen Veranstaltung und forderte: "Diskussionen sind sehr erwünscht! Wir müssen uns aber vom Lagerdenken abwenden, nicht strikt gut und böse oder links und rechts denken. Die leisen Töne aus der Mittelschicht müssen wieder mehr Beachtung finden."

Im Vorfeld der Veranstaltung wurden vereinzelt kritische Stimmen laut, die den Initiatoren eine zu exklusive Veranstaltung vorwarfen. Dem entgegnete der Oberbürgermeister, dass jeder Bautzener die Möglichkeit hatte, an der Veranstaltung teilzunehmen und von 50 freien Karten lediglich 45 abgeholt wurden. Selbst das dem Format geschuldete Potenzial wurde also nicht vollständig genutzt. Ahrens: "Pfiffe aus der grauen Masse gelten nicht. Wir müssen uns wieder in die Augen sehen."

Begleitet wurden die Tische von zehn Moderatoren des Projektes Krisen-Dialog-Zukunft (K!D) der TU Dresden und der Landeszentrale für politische Bildung. Oberbürgermeister Ahrens wies darauf hin, dass die Stadt im Dialogprozess "Bautzen wir müssen reden!" mehrerer Formate der Interaktion austestet und angeht. Als nächstes wird eine Podiumsdiskussion zum Thema Grundgesetz geplant, Ahrens: "Wir müssen Bruchlinien offen darlegen und darüber reden."

Die Auswertung des Diskussionsabends, die anschließend auf der städtischen Website www.bautzen.de veröffentlicht wird, übernimmt das Projekt K!D der TU Dresden.


Kommentar:


Nein, zu exklusiv war die Veranstaltung nicht. Es macht ja wenig Sinn, wenn hundert Leute zusammensitzen und ihre Meinungen vortragen und vielleicht noch versuchen, andere davon zu überzeugen. Da ist es besser, wenn Verantwortungsträger und Leute mit Gestaltungsmacht im Dialog zur Verfügung stehen, um zuzuhören und von den Bürgern zu lernen, was diese bewegt, aber auch, um Auskunft zu geben, was warum wie läuft oder eben nicht läuft.

Dass die erregten Bautzener die 50 Plätze nicht alle belegt haben, zeigt: Nicht jeder, der eine Meinung hat, will oder kann diese im persönlichen Gespräch fundiert vertreten. So gesehen sind 45 teilnehmende Bürger ein Erfolg, denn sie haben den Anspruch gezeigt, als Gesprächspartner ernstgenommen zu werden.

Die Spreestadt tastet sich mit den "Bautzen, wir müssen reden"-Foren auf einem guten Weg voran, meint

Ihr Thomas Beier


Anderes:
HEYMAT – Vertriebene, Migranten, Betreuer, Künstler kommen zu Wort

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  • Quelle: red | Foto: Stadtverwaltung Bautzen
  • Zuletzt geändert am 15.05.2019 - 17:09 Uhr
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