Spaß in der Küche

Spaß in der KücheBautzen / Budysín, 6. August 2021. Von Tina Beier. Kochen macht Spaß und für viele ist es nicht nur eine lästige Pflicht, sondern anspruchsvolles Hobby und Genussgrundlage zugleich. Heute finden sich unter Männern wie auch Frauen begeisterte Köche, obwohl beide meist in ganz anderen Berufen tätig sind.

Abb.: Neben der Küchen-Minna und der Flotten Lotte war die abgebildete, in Frankreich produzierte Mouli-Julienne aus den Fünfzigerjahren eine der ersten Küchenmaschinen Sie besticht noch heute durch ihr insektenähnliches und schönes Design

Foto: © BeierMedia.de

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Im Reich von Küchen-Minna und Flotter Lotte

Die Frage, wer das Regiment in der Küche führt, steht heute nicht mehr. Das war nicht immer so, denn in einem aus heutiger Sicht nur noch lustigen Werbespot von 1954 heißt es: "Eine Frau stellt sich am Morgen nur zwei Fragen: Was soll ich anziehen und was soll ich heute kochen?" oder etwa "Ein Mann, der Süßes mag, hat einen guten Charakter." Das lädt zum Schmunzeln ein, denn in unserer Zeit ist die Küche für viele im doppelten Sinne zum Lebensmittelpunkt in der Wohnung geworden.

Doch mit welcher Technik war eine Küche damals, in den Fünfzigerjahren, ausgestattet? Seinen Durchbruch erlebte gerade der Kühlschrank, während der Holz-Kohle-Herd zum Kochen bereits weitgehend vom Elektro- oder Gasherd abgelöst war. Doch elektrische Küchengeräte und Küchenmaschinen waren Fehlanzeige. Dafür gabe es die Küchen-Minna – eine an einen Fleischwolf erinnernde Kurbelmaschine zum Reiben, Schneiden, Schnitzeln, Raspeln und Entsaften – und die Flotte Lotte als Passiergerät. Das waren noch Zeiten!

Beide gehörten nach dem Krieg zu jeder modernen Küchenausstattung. Die Minna konnte man nur direkt aus der Fabrik der Braucke GmbH in Bielefeld erwerben und zwar zum stolzen Preis von 34 D-Mark inklusive Nachnahme. Das war viel Geld in der damaligen Zeit. Diese kleinen Helferlein haben Jahrzehnte überlebt und existieren noch immer in einigen Haushalten, wo sie treu ihre Dienste leisten. Geändert seit diesen Zeiten von Oma und Opa haben sich zwar die Küchengeräte, aber nichts daran, dass eine solide Küchenmaschine für jede wirklich genutzte Küche eine gute Investition ist. So, wie die handbetriebenen Helferlein früher, sind gute Küchenmaschinen aus dem heutigen Sortiment langlebig, zudem sehr produktiv und vielseitig einsetzbar.

Die Küche ist heute wie gestern das Zentrum des Hauses

In der Küche ist es warm, gemütlich und es duftet. Wenn die Familie sich versammelt, kommen alle besonders gern dort zusammen, auch wenn es eng sein sollte. Da können Köchin oder Koch noch so oft sagen: "Geht doch bitte ins Ess- oder Wohnzimmer, da ist doch viel mehr Platz!" Aber nein, alle bleiben in der Küche, haben Spaß, sind vielleicht nach längerer Zeit wieder einmal zusammengekommen, trinken Wein, Kaffee oder Bier, schwelgen in Erinnerungen, diskutieren und lachen.

Eine andere, unlängst erlebte Situation, in der ein Partner für den anderen kochen wollte: "Schatz, hast du Lust in die Küche zu gehen und uns etwas zu kochen?” Sie: ”Lust schon, aber keine Zeit, ich muss noch arbeiten." So kocht er – notgedrungen oder mit Spaß – selbst. Nach einer halben Stunde steigt ein merkwürdiger Geruch auf. Die Küchenfenster sind weit aufgerissen, durch den Qualm kann man kaum noch hindurchschauen. Der Grillkäse sieht schwarz statt goldbraun aus, die am Vortag gekochten Kartoffeln sind matschig in die Pfanne gekommen und trotzdem angebrannt. Mit dem Salat ist auch nichts geworden, weil er angesichts des Desasters auf dem Herd gleich resigniert hat und nun völlig zerknirscht ist.

Ach was! Das kann jedem passieren und man sollte nur erleichtert sein, wenn die Nachbarn wegen des Qualms nicht gleich die Feuerwehr gerufen haben. Das Einzige, was man in so einer Situation tun kann, ist über das Missgeschick zu lachen und sich etwas Neues zu zaubern oder Essen zu gehen, damit der Magen gefüllt wird.

Der Fernsehkoch empfiehlt: Kurt Drummer

Eine Galionsfigur des "DDR"-Fernsehens war Fernsehkoch Kurt Drummer. In 650 Fernsehfolgen hat er auf seine freundliche und unterhaltsame Art Neugierigen das Kochen nahegebracht. Bekannt waren unter anderem seine Rinderbrust oder auch seine Rinderbrust mit Kuss – und noch vieles andere mehr hat er in seinen Fernsehsendungen vorgestellt.

Kurt Drummer ist zusammen mit Käthe Muskewitz Autor einiger Kochbücher, die nicht nur informativ, sondern auch spannend und unterhaltsam zu lesen sind. Im gemeinsamen Kochbuch "Von Apfelkartoffeln bis Zwiebelkuchen" finden sich zudem einige Zitate, etwa von Heinrich Heine, der von der deutschen Küche sagt, dass sie viele Tugenden habe, aber auch einen Fehler. Diesen Fehler will Heine allerdings nicht preisgeben. Die Vermutung liegt nahe, dass sie ihm zu schwer war.

Das Durchblättern des Buches weckt Interesse, einige von Kurt Drummers Rezepten nachzukochen. Sie sind landschaftstypisch, einfach und doch fantasievoll. Sie werden sicher wie gestern auch heute gut schmecken, auch wenn einige seiner Gewürzzutaten nicht mehr oder nur noch schwer erhältlich sind, so etwa Glutal (ein Geschmacksverstärker) oder die scharfe ungarische Paste für die Rinderbrust mit Kuss.

Gestorben ist die Koch-Legende Kurt Drummer am 8. Juni 2000 in Chemnitz. Er war nicht nur als Fernsehkoch eine Koryphäe, sondern gewann als Koch viele internationale Preise, unter anderem in London, Wien und Budapest.

Heute auf dem Tisch

Vielleicht kommt heute einmal der buntgemischte Kräuterquark mit typischen Gartenkräutern wie Dill, Schnittlauch und Petersilie sowie Sauerrahm, Eigelb, Paprika, Gewürzgurken, Zwiebeln, Senf, Kapern und Worcestersauce auf den Tisch. Die Pellkartoffeln dazu werden mit Kümmel serviert, alles nach einem Rezept von Drummer aus dem genannten Kochbuch. Guten Appetit und viel Spaß in der Küche!

Tipp für das Online Antiquariat:
Von Apfelkartoffeln bis Zwiebelkuchen
Volkstümliche Gerichte aus der DDR zwischen Thüringer Wald, Lausitz, Ostsee und Erzgebirge
von Kurt Drummer und Käthe Muskewitz
VEB Fachbuchverlag Leipzig, ISBN 3-34300103-1
Einst 19,80 Ostmark

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  • Quelle: Tina Beier | Foto: © BeierMedia.de
  • Erstellt am 06.08.2021 - 16:26Uhr | Zuletzt geändert am 06.08.2021 - 16:58Uhr
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