Nie wieder Krieg! Und wenn doch?

Nie wieder Krieg! Und wenn doch?Bautzen / Budyšín, 26. Juli 2022. Von Thomas Beier. Drei Generationen nach dem Zweiten Weltkrieg steigen bei den Deutschen die Zweifel am Schwur "Nie wieder Krieg!" – jedenfalls auf eigenem Boden. Der Ernst der Lage ist vielen in Deutschland offenbar nicht klar, andere hingegen handeln vorsorglich.

Abb.: Fliehen in letzter Sekunde oder gut vorbereitet und rechtzeitig?

Foto: ulrich116, Pixabay License

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Auf das Schlimmste vorbereitet sein

Ja, aber was soll man denn machen?, fragen sich vermutlich viele Bürgerinnen und Bürger. So formuliert stimmt die Frage allerdings nicht, denn sie müsste darauf gerichtet sein, was man machen könnte – wenn man kann.

In Deutschland fallen aktuell vier Entwicklungen auf:


    • Sorgloser Umgang mit der Corona-Pandemie:
      Aktuell werden selbst die simpelsten Vorsichtsmaßnahmen wie Händedesinfektion oder eine Maske zum Schutz der Atemwege etwa in Einzelhandelsgeschäften in aller Regel missachtet, wenn sie nicht erzwungen werden. Der Bautzner Anzeiger hatte immer wieder über die Coronapandemie in Bautzen berichtet.

    • Andauernde hohe Inflation mit zu erwartendem starkem Zuwachs:
      Die heftigen Preissteigerungen bei den Energieträgern schlagen erst nach und nach in der Wirtschaft und schließlich bei den Verbrauchern durch. Die deutlichen Preissteigerungen stehen bei vielen Waren erst noch bevor.

    • Kalte Winter erwartet:
      Deutschland erlebte in beziehungsweise nach den beiden Weltkriegen sogenannte Hungerwinter. So war der Winter 1946/47 einer der kältesten Winter überhaupt. Als Hungerwinter gilt auch der Winter 1916/17. Ums deutlich zu machen: Die Leute erfroren und verhungerten. Der Erdgasmangel könnte im kommenden und vor allem im übernächsten Winter zu kalten Gebäuden und Produktionsausfällen führen.

    • Die Angst vor dem nächsten Krieg:
      Niemand kann die Weiterentwicklung des Kriegs in der Ukraine vorhersagen. Tritt der NATO-Bündnisfall ein, ist Deutschland als Kriegspartei vollends mit von der Partie.

Persönliche Strategie entwickeln

Überlegt man sich persönliche Gegen- oder besser gesagt Ausweichstrategien, dann sollten sie möglichst alle vier Bereiche erfassen. Je nach persönlicher wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit bereiten sich Personen und Familien auf eine Absetzbewegung in Richtung Westen vor. Da werden Dokumente und Notvorräte zusammengepackt und überlegt, was noch alles ins Auto oder vorzugsweise einen Lieferwagen oder Kleinbus passt.

Andere, die es sich leisten können, bereiten längst die Ankunft in möglichst weit westlich gelegenen Gefilden vor. Im Fokus steht das Westend Europas: Erschwingliche oder gar luxuriöse Wohnungen und Häuser auf Mallorca kaufen wollen jetzt viele. Hintergrund ist nicht nur die Kriegsangst, sondern eben auch die Inflation, die dazu animiert, Geld wertstabil anzulegen. Ein weiteres Argument für die balearischen Inseln ist das milde Klima, das die deutschen Heizprobleme der beiden kommenden Winter in weiter Ferne zurücklässt.

Immobilien als Wertanlage, wenn sie nicht bedroht sind

Wer den Bleistift spitzt, kauft heutzutage Immobilien auch dann, wenn die Preis überhitzt sein könnten, denn wenn höchstwahrscheinlich auf Dauer eine Wertsteigerung anzunehmen ist, gleicht das einen Mehrpreis wieder aus und ist unter Umständen besser als zuzusehen, wie die Kaufkraft des Ersparten viel zu schnell sinkt. Voraussetzung: Die Immobilien sollten in einer Region liegen, in der aller Wahrscheinlichkeit nach nicht zu Kampfhandlungen kommen würde und die zugleich für einen Atomschlag uninteressant ist.

Corona: Angesichts der Lage ein vielleicht kleineres Übel

Und die Corona-Pandemie? Die lässt sich, um auf den Balearen zu bleiben, mit dem Infektionsgeschehen in Deutschland nur bedingt vergleichen, weil Spanien nur noch Coronainfektionen der Generation 60plus erfasst. Allerdings war diese altersspezifische Inzidenz per 19. Juli 2022 geringer als die Gesamtinzidenz in Deutschland (Quelle ADAC: Spanien-Urlaub: Inzidenz, Einreise und Corona-Regeln, Stand bei verlinkung vom 26. Juli 2022, 15.45 Uhr).

Unterm Strich

Wenn es darum geht, sich der Kriegsgefahr – gerade im Osten Deutschlands ist man weniger weit von der Ukraine entfernt als mancher wahrhaben möchte – zu entziehen, dürfte die Corona-Pandemie keine wesentliche Rolle spielen. Wichtiger ist ein ausreichend großes Fahrzeug, eventuell mit Anhänger. Je nach aktueller Situation können Treibstoff und Nahrungsmittel wichtig werden. Steht allerdings ein Flug an, dann wird es mit dem Gepäck sehr eng.

Gut hat es, wer tief im Westen Verwandte oder Freunde hat, bei denen man vorerst unterkommen kann. Die Möglichkeit, vorsorglich eine Immobilie zu erwerben und dabei zugleich auch noch Geld unterzubringen, dürfte eher wenigen vorbehalten bleiben – wobei: In Regionen und Branchen, die goldenen Boden haben, wurde auch im Osten in den zurückliegenden Jahrzehnten reichlich Geld verdient.

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  • Quelle: Foto: English / ulrich116, Pixabay License
  • Erstellt am 26.07.2022 - 17:25Uhr | Zuletzt geändert am 26.07.2022 - 18:24Uhr
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