Intendantin geht

Intendantin gehtBautzen / Budyšín, 17. Februar 2021. Die Intendantin des Sorbischen National-Ensembles (SNE) / Serbski ludowy ansambl, Judith Kubitz, will ihren Drei-Jahres-Vertrag nicht verlängern und wird das SNR, das als gemeinnützige GmbH seinen Sitz in Bautzen hat, Ende Juli 2021 verlassen.

Abb.: Viele Wege führen nach Bautzen – und auch wieder weg

Foto: © Görlitzer Anzeiger

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Kubitz: Für die Verwirklichung meiner Ansprüche keine Zukunft

Schon bei ihrem Antritt als Intendantin am 1. August 2018 hatte Judith Kubitz klargestellt, dass sie die drei Jahre zur Beurteilung nutzen möchte, ob sich ihre künstlerischen Vorstellungen mit den Möglichkeiten des Sorbischen National-Ensembles decken. Ihre im bereits im Herbst 2020 getroffene Entscheidung, den Vertrag nicht zu verlängern, erläuterte die Intendantin so: "Ich habe die Leitung der einzigen sorbischen professionellen künstlerischen Institution, welche unsere Musikkultur pflegt, aus dem Verantwortungsbewusstsein für meine sorbische Herkunft heraus angetreten. Gemeinsam mit Chor, Orchester und den Tänzern wollte ich die sorbische Musikkultur weiter entwickeln, die Qualität erhöhen und damit eine bessere Resonanz auf das Wirken des SNE in und außerhalb der Lausitz erreichen. In Anbetracht der derzeitigen Gegebenheiten im SNE sehe ich für die Verwirklichung meiner Ansprüche keine Zukunft."

Der Direktor der Stiftung für das sorbische Volk, die zugleich Gesellschafterin des SNE ist, Jan Budar, bedauert persönlich, dass "so eine kompetente Persönlichkeit, wie Judith Kubitz es ist, das Ensemble verlässt. Ich bin jedoch dankbar für wichtige Einschätzungen und Hinweise, die sie uns während der Zeit ihres Wirkens für die weitere Entwicklung des Hauses gegeben hat. Sie sind uns auch nach ihrem Abschied eine gute Richtlinie."

Eine der ersten Initiativen der Intendantin nach Amtsantritt war die Umstrukturierung und Digitalisierung des Notenarchives. Das war gutes Jahrzehnt ziemlich vernachlässigt worden, der Zustand des Archives ensprach der Wertigkeit dieser einmaligen Quelle sorbischer Musik bei weitem nicht. Ebenso schnell erkannte Kubitz, dass gewisse Schlüsselpositionen für den alltäglichen Organisationsablauf nicht optimal besetzt sind und setzte hier mit internen Umstrukturierungen an, die teils Abhilfe schafften. Schon zum Ende ihrer ersten Spielzeit stellte Kubitz dem Stiftungsrat im Mai 2019 ein erstes internes Zwischenresümee vor.

Als der Stiftungsrat im Herbst 2020 erführ, dass Judith Kubitz als Intendantin des SNE an August 2021 nicht mehr zur Verfügung steht, erhielt Jan Budar als Direktor der Stiftung den Auftrag, die Erkenntnisse der vergangenen Jahre zusammenzufassen und daraus konzeptionelle Empfehlungen für die weitere Entwicklung des Ensembles abzuleiten. Infolge hat Budar Gespräche mit externen Experten und ausgewählten Angestellten des Hauses geführt. Auf Grundlage seiner Vorschläge wird der Stiftungsrat nun auf seiner Sitzung Mitte Mai 2021 entscheiden müssen, wie es ab August 2021 weitergeht.

Auf jeden Fall hält Stiftungsdirektor Budar für richtig, die Forderung der sorbischen Vertreter und der Vertreter der Kommunen im Stiftungsrat vom Frühjahr 2017, die Intendanz im SNE erneut zu besetzen, aufs Neue aufzugreifen, für richtig: "Auch in Zukunft sollte die Verantwortung für die Geschicke des Sorbischen National-Ensembles in den Händen der künstlerischen Leitung liegen, auch wenn die Auswahl für eine Neubesetzung nicht gerade groß ist." Jedoch zweifelt er, ob eine Doppelspitze das richtige Konstrukt ist, das "sollte nochmals genau analysiert und bewertet werden."

Ganz aktuell ist die geordnete Übergabe aller künstlerischen Belange, vor allem hinsichtlich der Planung der nächsten Spielzeit, am wichtigsten. Vor diesem Hintergrund übermimmt der Vertreter der Intendantin Tomas Kreibich-Nawka bis zum Ende der aktuellen Spielzeit in enger Abstimmung mit Judith Kubitz die wesentlichen internen Aufgaben .

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  • Quelle: red | Foto: © Görlitzer Anzeiger
  • Erstellt am 17.02.2021 - 16:33Uhr | Zuletzt geändert am 17.02.2021 - 17:31Uhr
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