Träume enttäuschen nie

Träume enttäuschen nieBautzen / Budyšín, 19. Juli 2022. "Träume sind Schäume", glaubt der Volksmund zu wissen. "Daran darf man zweifeln", sagt der Markersdorfer Unternehmensberater Thomas Beier und erklärt, weshalb.

Abb.: Erfrischt vom Schlaf und aus den Träumen erwachen und sich auf den Tag freuen – was gibt es Schöneres?

Foto: Claudio Scott, Pixabay License (Bild bearbeitet)

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Ein Unternehmensberater erklärt, was uns – neben anderem – bestimmt

Von Thomas Beier. Viele Leute gehen davon aus, dass sie stets sehr rational – also basiert auf Wissen – handeln. Das stimmt keinesfalls, sonst würden sie unvernünftige und gefährliche Sachen nicht machen, etwa riskante Autorennen fahren oder Bergtouren machen, Kriege führen, Rauchen oder zu viel Alkohol trinken. Bei näherer Betrachtung wird deutlich: Wissen ist auf das menschliche Verhalten ein nur sehr schwacher Einflussfaktor.

Anders ist es mit der Erfahrung. Was man aus Erfahrung lernt, dass kann man nicht ablehnen – vermitteltes Wissen hingegen schon. Wer weiß, dass man im Winter am Auto Winterreifen aufziehen sollte, macht das noch lange nicht. Erst die Erfahrung, wenn es bei Schneeglätte nicht weitergeht, der Wagen ins Rutschen kommt und vielleicht des anschließenden Blicks aus dem Straßengraben vermittelt: Winterreifen sind sehr sinnvoll.

Glaubenssache

Stärker noch als die Erfahrung wirkt der Glaube – aber nur, bis man eine andere Erfahrung macht. Je öfter es gutgeht, umso mehr glauben viele, man könne ruhig zehn Stundenkilometer schneller fahren, als erlaubt. Mit der Zeit entwickelt sich auf diese Weise ein sehr starker Glaube. Doch das geht nur so lange gut, bis man die Erfahrung des bösen Blitzes aus dem amtlichen Fotoapparat macht und das Wissen wieder in den Vordergrund gerückt wird: Man darf nicht schneller fahren als auf den runden Schildern mit dem breiten roten Rand steht. Allerdings wirkt das nicht ewig: Erlebt man den Blitz für eine Weile nicht mehr, setzt die Erfahrung wieder ein und mit ihr der Glaube, ein bisschen schneller als erlaubt geht es schon…

Die Welt der Träume

Und es gibt noch etwas, das das menschliche Dasein maßgeblich bestimmt. Es sind die Träume. Man sagt, dass sich das Gehirn nach den Wirren des Tages mit ihrer Hilfe reorganisiert. Zu vermuten ist jedoch, dass seine Träume auch das Verhalten eines Menschen beeinflussen. Das ist nahezu paradox: Sie haben ihre Wurzeln in seinem Erleben und wirken in seine Zukunft – die Realität des allein im Hirm produzierten Traums wirkt so gesehen auf die Realität außerhalb des Hirns.

Wenn aber Träume nicht nur Schäume, sondern wichtig für das Verhalten in konkreten Situationen oder gegenüber bestimmten Menschen sind, dann wäre es doch hochinteressant, nachteilig wirkende Träume auszublenden und förderliche Träume – ja, herbeizuträumen. "Träume, Freund, enttäuschen nie", wusste der von den Nazis umgebrachte Schriftsteller und Pazifist Erich Mühsam.

Luzides Träumen

Dass man seine Träume selbst steuern kann, das beweist das luzide Träumen. Die meisten Menschen haben das schon einmal erlebt: Man wird zum Akteur im eigenen Traum, greift gar in das Geschehen ein. Wie luzides Träumen erstmals gelingt, das hängt von vielen Faktoren ab. Manchmal kommt es eher zufällig und spontan, kann aber auch antrainiert werden. Wer es je erlebt hat, berichtet gewöhnlich tief beeindruckt über diese Erfahrung.

Abtauchen in Traumwelten?

Nicht jedem fällt der Zugang zum luziden Träumen, auch Klartraum genannt, leicht. Mit weniger Regeln kann man es unterstützen oder mit Hilfe eines Mentors erlernen. Beschrieben werden die Klarträume meist als spannend und erfrischend. Kritiker fürchten Realitätsverlust und Abhängigkeit, jedoch ist das Träumen – auch das luzide Träumen – eine völlig normale Erscheinung, die vor allem in der vierten Schlafphase – während des REM-Schlafes – eintritt. In dieser letzten Schafphase der Nacht finden Lernprozesse statt und die Psyche wie auch das Nervensystem erholen sich besonders gut. Wer allerdings an psychischen Problemen oder einer Erkrankung leidet, sollte seine Traumexperimente vorab mit seinem Arzt besprechen.

Nur Übertreiben mit dem Versuch, eine Klartraum zu erleben, darf man es nicht, weil das auf Schlafentzug hinauslaufen kann. Dessen Folgen wären dann das Gegenteil von dem, was ein Klartraum bestenfalls bezwecken soll: Ausgeruht, voller Energie und Neugier in den neuen Tag zu starten.

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  • Quelle: Thomas Beier | Foto: Italiano / Claudio_Scott, Pixabay License
  • Erstellt am 18.07.2022 - 23:06Uhr | Zuletzt geändert am 19.07.2022 - 08:28Uhr
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