Bautzen hat neue Kita

Bautzen hat neue KitaBautzen / Budyšín, 1. März 2021. Der Freistaat Sachsen, der Landkreis Bautzen und die Spreestadt selbst haben zusammengelegt und fast sieben Millionen Euro in den Bau einer niegelnagelneuen Kindertagsstätte am Schützenplatz investiert. Die Anlass dafür haben die Bautzener und Bautzenerinnen selbst geschaffen: Die Westlausitz-Metropole boomt seit Jahren, hier kommen mehr Kinder als anderenorts in Sachsen zur Welt.

Abb. oben: So fröhlich, wie die Herrschaften bei der Schlüsselübergabe dreinschauen, haben sie vermutlich gleich nach dem Klick des Fotoapparates einen kollektiven Purzelbaum geschossen – von links: Baubürgermeisterin Juliane Naumann, Oberbürgermeister Alexander Ahrens, Kita-Leiterin Nicole Laube und Stellvertreterin Andrea Kröher, Finanz- und Sozialbürgermeister Dr. Robert Böhmer

Bildquelle: Stadtverwaltung Bautzen

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Hamburger Architekturbüro mit überzeugender Lösung

Hamburger Architekturbüro mit überzeugender Lösung

Der Osterhase nebst Osterhäsin sind schon da und könnten zu Symbolfiguren des Bautzener Kinderbooms werden

Bildquelle: Stadtverwaltung Bautzen

Bautzen will eine familienfreundliche Stadt ein, steht im Leitbild – und belässt es nicht bei Worten. Vor allem gehört eine gute Kinderbetreuung zum Konzept, und die bedarf einer entsprechenden Infrastruktur. In weiser Voraussicht hatte der Bautzener Stadtrat schon 2015 den Bau einer neuen Kindertageseinrichtung beschlossen, so dass im Frühjahr 2016 ein Architekturwettbewerb ausgelobt werden konnte. Aus den 131 deutschlandweiten und internationalen Bewerbungen wurden insgesamt 20 Wettbewerbsteilnehmer ausgelost. Den Zuschlag erteilte die Jury dem Architekturbüro "studioH2K" aus Hamburg. Am 27. Juni 2018 endlich konnte der Bagger den symbolischen ersten Aushub tätigen.

Ein Haus für Kinder

Binnen 30 Monaten wuchsen Am Schützenplatz 4a zwei zueinander versetzte und jeweils zweigeschossige moderne Baukörper, die durch einen eingeschossigen Eingangsbereich verbunden sind. Es entstanden insgesamt 36 Krippen-, 135 Kindergarten- und 15 Hortplätze. Ein Leitmotiv im Entwurf der Hamburger war die Vielfalt der Aufenthaltsbereiche und damit ein breites Angebot an Räumen, die für unterschiedliche Zwecke geeignet sind. Die Gruppenräume sind dank großer Flügeltüren flexibel, Flure werden zu großzügigen Spielbereichen und auch Rückzugsräume für die Kleinen sind vorhanden.

Die Nutzungen sind klar strukturiert und ermöglichen fließende Übergänge von innen nach außen und damit eine Integration in den naturnahen Außenraum. Der Komplex ist konsequent barrierefrei konzipiert. Eine gute Raumakustik kommt nicht nur Kindern mit Hörbeeinträchtigungen zugute, sondern erleichtert allen Nutzern der Einrichtung die Kommunikation. Die Räume sind von Licht durchflutet und sowohl innen wie außen sind weitestgehend natürliche Materialien verbaut worden. In einem Mehrzweckraum können die Kinder regelmäßig Sport treiben. Der Spielbereich ist in den Obergeschossen über holzverkleidete Balkone und eine gemeinsame Dachterrasse mit einer großzügigen Treppe erreichbar.

Für die Hortkinder gibt es einen separaten Zugang zum Schulhof der benachbarten Förderschuleinrichtung. Durch überdachte Balkone werden alle Gruppen-, Projekt- und Gemeinschaftsräume zum Außenraum erweitert und bieten so zusätzliche geschützte Spielbereiche – im Erdgeschoss als Terrasse, im Obergeschoss als Balkon. Im großzügigen Außenbereich entstanden umfangreiche Spielmöglichkeiten und Sitzgelegenheiten für alle Altersgruppen.

Umfangreiche Förderung und Mehrkosten

Der Bau der Kita Purzelbaum war in den vergangenen Jahren eines der wichtigsten Bauprojekte der Stadt. Dass zu einem solchen Projekt auch die Geldbeschaffung gehört zeigten die von Erfolg gekrönten intensive Bemühungen, an Fördergelder zu gelangen, die schließlich das erwartete Maß übertrafen. Unterstützung erhielt die Stadt über den Landkreis Bautzen aus dem Bundesprogramm "Kinderbetreuungsfinanzierung 2017-2020". Allein aus diesem Programm flossen 2 Millionen Euro in den Bau, 72.600 Euro davon steuerte der Landkreis bei. Der Freistaat Sachsen unterstützte das Großprojekt mit weiteren 2,4 Millionen Euro, die aus dem Bund-Länder-Programm "Brücken in die Zukunft" stammen.

Schon ein Jahr nach dem ersten Spatenstich wurde allerdings klar, dass der ursprüngliche Finanzierungsplan nicht aufging, aber das ist ja in Hamburg – Stichwort Elbphilharmonie – vielleicht schon Tradition. Ach nein, denn nach einer Erhebung des Baukosteninformationszentrums Deutscher Architektenkammern (BKI) stiegen die Baupreise im Osten Deutschlands allein 2018 gegenüber dem Vorjahr um 6,9 Prozent. Kostensteigerungen waren aber auch im Rahmen der detaillierteren Ausführungsplanung, Auflagen aus der Baugenehmigung und Stellungnahmen verschiedener Ämter entstanden, die nachträgliche Anpassungen in der Planung und daraus resultierende Mehrkosten notwendig machten.

In der Praxis ergaben die entsprechend der öffentlich-rechtlichen Vergaberegularien durchgeführten Ausschreibungen wenige Angebote, welche zudem häufig über den Schätzungen lagen. 5,5 Millionen Euro hatte die Stadt ursprünglich veranschlagt, doch in der Realität erwies sich das nur als Teilfinanzierung. Trotz der Kritik an den Mehrkosten wurde an der Investition festgehalten. Unterm Strich schlagen die Gesamtkosten am Eröffnungstag mit rund sieben Millionen Euro zu Buche. Trost: Mehr als 90 Prozent der Bauleistungen wurden von Unternehmen mit Firmensitz in Sachsen erbracht.

Geschultes Personal entwickelt ein überzeugendes Konzept

Chefin der neuen Kita ist Nicole Laube, die bereits in anderen städtischen Einrichtungen viele Erfahrungen gesammelt. Ihr zur Seite stehen Andrea Kröher als Stellvertreterin, acht pädagogische Fachkräfte aus dem Kindergarten "Friedrich Schiller" sowie 13 pädagogische und technische Mitarbeiter, die teils neu eingestellt wurden. Perspektivisch betreuen sie 171 Mädchen und Jungen. 67 Kinder davon sind aus dem Schiller-Kindergarten auf den Schützenplatz umgezogen, weil ihr Haus in den kommenden Jahren grundhaft saniert werden soll. Zur Betreuung der 15 Hortkinder wechselt eine Erzieherin aus dem Förderschulzentrum in die neue Einrichtung.

Mit dem Umzug kann nun ein eigens entwickeltes pädagogisches Konzept umgesetzt werden. In der Purzelbaum-Kita soll dabei der Bewegungsansatz mit dem Naturgedanken unter pädagogischen Gesichtspunkten vereint werden. Sinnbild ist der Baum: Von der Wurzel bis zur kräftigen Krone soll der das Heranwachsen symbolisieren. Nachdem die Kinder in das Leben "gepurzelt" sind, benötigen sie kräftige Wurzeln, sprich Vertrauen, Sicherheit, Liebe und Zuwendung. Diese Wurzeln bilden natürlich die Eltern, aber das pädagogische Personal möchte – und muss immer wieder – deren Erziehungsarbeit begleiten und ergänzen. So wollen die Pädagogen die Ausbildung der Wurzeln unterstützen und gleichzeitig die Funktion der Krone übernehmen, indem sie über die Kinder wachen und ihnen Schutz und Sicherheit geben.

Die Pädagoginnen um Nicole Laube wollen es sich zudem zur Aufgabe machen, dem natürlichen Bewegungsdrang der Kinder nachzukommen und zunehmend fehlende Bewegungs- und Sporterfahrungen der Kinder kompensieren. Bewegung ist wichtig fürs Lernen, so etwa Grenzen zu erkennen und zu bewerten: Akzeptieren oder überwinden? So sind Persönlichkeitsentwicklung, Bewegung, Entspannung und Ernährung die Grundpfeiler, mit denen sich das pädagogische Konzept umreißen lässt. Der moderne und lichtdurchflutete Bau und das üppig gestalteten Außengelände bieten die besten Voraussetzungen dafür.

Um allen Kindern gleich gute Voraussetzungen auch bei der Frühstücks- und Vesperversorgung zu ermöglichen, wurde über eine Ausschreibung bereits ein Essensanbieter gefunden, der den Kindern nicht nur ein ausgewogenes Mittagessen kocht, sondern die Einrichtung auch mit frischen Lebensmitteln für Frühstück und Vesper versorgt, was vom Personal der Einrichtung und – nach Möglichkeit auch von den Kindern selbst – zubereitet werden kann.

Tag der offenen Tür kommt später

Die Purzelbaum-Betriebsübergabe war wegen des eingeschränkten Regelbetriebes in der Corona-Pandemie nur mit wenigen Personen möglich. Oberbürgermeister Alexander Ahrens, Finanz- und Sozialbürgermeister Dr. Robert Böhmer und Baubürgermeisterin Juliane Naumann überreichten den symbolischen Schlüssel an das Personal der Einrichtung.

Einen Tag der offenen Tür wird es, soweit absehbar, im Juni 2021 geben. Dann kann man sich ganz persönlich ein Bild von der neuen Kindertagesstätte machen.

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  • Quelle: red | Fotos: Stadtverwaltung Bautzen
  • Erstellt am 01.03.2021 - 11:39Uhr | Zuletzt geändert am 01.03.2021 - 12:30Uhr
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