Alles elektrisch oder was?

Alles elektrisch oder was?Bautzen / Budyšín, 2. Juni 2021. In den deutschen Haushalten wird auf- oder, besser gesagt, umgerüstet. Zwei Bereiche sind besonders betroffen: Die Heimwerker-Werkstatt und die Fortbewegung. Alles hat einen gemeinsamen Nenner: den Akku.

Abb.: Obgleich Fahrrad-Akkus meist zu Hause geladen werden, sind Ladestationen an Radwegen und Ausflugszielen ein komfortabler Service

Symbolfoto: Erich Westendarp, Pixabay License

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Akkutechnologie durchdringt Handarbeitsgeräte und Mobilität

 Akkutechnologie durchdringt Handarbeitsgeräte und Mobilität

Bautzen und das sanfte Hügelland der Westlausitz – hier Bernsdorf – sind perfekt für eine Erkundung per Fahrrad, ob nun mit elektrischer Antriebshilfe oder ohne

Archivbild: © BeierMedia.de

Akkugeräte in Werkstatt und Garten

Viele Selbermacher, ob nun als Hausbesitzer oder notorische Do-It-Yourself-Freaks, haben sich im Laufe der Zeit Werkstatt- oder Hobbyräume eingerichtet, die schon professionellen Kategorien zuzurechnen sind. Eine wichtige Rolle dabei spielen Elektrogeräte, von der Bohrmaschine über den Bohrhammer bis zur Kreissäge, alle Varianten von Schleifmaschinen und anderer Gerätschaft eingeschlossen. Auch im Garten haben sich längst Elektromaschinen durchgesetzt, so etwa die Heckenschere, der Rasenmäher, die Motorsense und anderes mehr.

All diese Maschinen und Geräte sind von einer kleinen technischen Revolution betroffen: Dort, wo bislang eine Kabelverbindung zu Steckdose nötig war oder ein kleiner Verbrennungsmotor werkelte, zieht nun der Akku ein. Möglich machen das moderne Lithium-Ionen-Akkus mit hoher Energiedichte und langer Lebensdauer, die zudem in relativ kurzer Zeit wieder aufgeladen werden können. Da die Akkus über Stecksysteme mit den Maschinen verbunden sind, ist ein nahezu unterbrechungsfreies Arbeiten möglich, vorausgesetzt, es gibt zusätzliche Wechselakkus und leistungsfähige Ladegeräte.

Einziger Wermutstropfen: Die Akkusysteme der einzelnen Hersteller sind nicht kompatibel. Wer sich also erstmals für ein bestimmtes Akkugerät entscheidet und die Akkus an mehreren Geräten verwenden möchte, ist praktisch an den Hersteller des Erstgerätes gebunden. Dennoch hat sich in kürzester Zeit eine große Fangemeinde für die Akkutechnik herausgebildet. Mit der Heckenschere nie wieder die Zuleitung zu durchtrennen ist ein Pro-Akku-Argument, ebenso das Ende der Startschwierigkeiten der Motorsense. Bürstenfreie Elektromotore sorgen zudem für weniger Verschleiß. Wer einmal mit Handarbeitsmaschinen ohne Kabel oder Verbrennungsmotor gearbeitet hat, wird schnell zum Jünger oder zur Anbeterin der Akku-Technologie.

Mit dem Akku mobil

Längst schon hat der Akku auch die Fortbewegung auf Rädern revolutioniert. Während beim Pkw – wo Nickel-Metallhydrid-Akkus verwendet werden, die brandsicherer sind als die Lithium-Ionen-Modelle – mancher angesichts relativ geringer Reichweiten – besonders bei Frost – noch vorsichtig ist, haben sich elektrisch betriebene Versehrtenfahrzeuge vom Rollstuhl bis zum E-Quad längst durchgesetzt.

Führerscheinfalle bei elektrisch angetriebenen Fahrrädern

Eine besondere Rolle kommt den elektrisch angetriebenen, genauer gesagt antriebsunterstützten Fahrrädern zu, den sogenannten Pedelecs. Hier gilt: So lange der Radfahrer in die Pedale tritt, erfolgt eine elektrische Antriebsunterstützung. Anders beim E-Bike: Hier wird auch ohne zu treten eine Geschwindigkeit von mehr als sechs Stundenkilometern erreicht – und das ist dann kein Fahrrad mehr, sondern ein Kraftfahrzeug! Ja nach Elektro-Fahrrad muss man sehr genau schauen, ob ein vielleicht ein sogenannter Mofaschein oder eine Fahrerlaubnis nötig ist, auch ein Versicherungskennzeichen kann fällig werden.

Die Unterschiede im Einzelnen:


    • Pedelec: Beim normalen Pedelec funktioniert das bis zu einer Geschwindigkeit von 25 Kilometern pro Stunde. Diese Pedelecs sind nicht zulassungspflichtig, sie werden einerseits verkehrsrechtlich wie Fahrräder behandelt und setzen keine Fahrerlaubnis voraus, doch Obacht: Laut §10 Abs. 3 der Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV) muss man zum Führen eines Kraftfahrzeuges, für das keine Fahrerlaubnis nötig ist, mindestens 15 Jahre alt sein und eine Prüfbescheinigung, den sogenannten Mofaschein, vorweisen können. Wer allerdings vor dem 1. April 1965 geboren ist, braucht laut § 76 Nummer 3 der FeV keine Prüfbescheinigung, sondern muss sich lediglich ausweisen können. Auch ein Motorradführerschein mindestens der Klasse AM oder ein Pkw-Führerschein sind ausreichend.

    • S-Pedelec: Anders beim Speed-Pedelec, kurz S-Pedelec genannt: Hier arbeitet die elektrische Unterstützung bis zu einer Geschwindigkeit von 45 Kilometern pro Stunde mit. Das höhere Tempo gibt es nicht umsonst, wer S-Pedelec fährt, muss einiges beachten. Das S-Pedelec gilt als Mofa. Entsprechend besteht Helmpflicht und Radwege sind tabu. Erforderlich ist ein Führerschein der Klasse AM oder ein entsprechender Motorrad-Führerschein. Die Unterschiede zwischen Pedelec und S Pedelec erläutert Klara in einem Kurzvideo auf einer Website, die auch die Möglichkeiten einer S-Pedelec Versicherung – ein Versicherungskennzeichen ist vorgeschrieben – vorstellt.

    • E-Bike: Noch etwas anderes sind als die beiden Pedelec-Arten sind die E-Bikes, deren Kennzeichen es ist, dass sie auch dann elektrisch angetrieben werden, wenn nicht in die Pedale getreten wird. Sie ähneln damit den alten Fahrrädern mit Hilfsmotor oder den klassischen Mofas. Entgegen kursierender falscher Darstellungen handelt es sich bei E-Bikes um astreine Kraftfahrzeuge und anders, als der Begriff Bike suggeriert, nicht um Fahrräder, weil sie mehr als sechs Kilometer pro Stunde erreichen, ohne in die Pedale zu treten. Hier sind in jedem Fall ein Versicherungskennzeichen und mindestens eine Mofa-Prüfbescheinigung für den Fahrer vorgeschrieben, bei Bikes, die schneller als 25 Kilometer pro Stunde elektrisch fahren, eine Fahrerlaubnis der entsprechenden Klasse.

Ganz unabhängig von der Einstufung des Elektrogefährts sollte immer ein Schutzhelm getragen und daran gedacht werden: Vorsicht und gegenseitige Rücksichtnahme ist ein Grundsatz, der für alle Verkehrsteilnehmer gilt, auf den man sich aber nicht verlassen kann.

Tipp:
Die Liofit GmbH in Kamenz / Kamjenc bei Bautzen repariert defekte E-Bike-Akkus oder recycelt diese. Nach eigenen Angaben werden hier 99 Prozent aller defekten oder verschlissenen Lithium-Ionen-Akkus repariert. Dazu gehören die Neukalibrierung kompletter Zellpakete und gegebenenfalls der Austausch von Platinen. Unter Umständen erhält der Kunde eine höhere Kapazität für weniger Geld als bei einem Neukauf, ist auf der Webseite des Unternehmens zu erfahren.

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  • Quelle: TEB | Foto Schild: hpgruesen / Erich Westendarp, Pixabay License; Foto Bernstadt: © BeierMedia.de
  • Erstellt am 02.06.2021 - 11:23Uhr | Zuletzt geändert am 02.06.2021 - 13:07Uhr
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