Energiesparen: begrenzte Wirkung bei Einzelmaßnahmen am Haus

Energiesparen: begrenzte Wirkung bei Einzelmaßnahmen am HausBautzen / Budyšín, 21. November 2021. Von Thomas Beier. Energie sparen, das ist die Devise dieser Tage, doch wie? Jedenfalls sollen nun nicht jene Tipps wiederholt werden, die bei jeder Spritpreiserhöhung kursieren und doch eigentlich selbstverständlich sind – oder würde doch jemand bergauf bremsen und bei jeder Gelegenheit das Gaspedal durchs Bodenblech drücken? Offen gesagt, die Einsparmöglichkeiten für Kraftfahrer tendieren gegen Null, wenn man nicht gerade auf ein neues Fahrzeug oder gleich auf die E-Mobilität umsteigt. Vielleicht etwas anders ist es bei Hauseigentümern. Auch die sind gefordert, Maßnahmen zur Einsparung von Kohlendioxidemissionen umzusetzen, was aber durchaus vor Probleme stellt.

Abb.: Fensterläden geben einem Haus ein freundliches Gesicht, sind aber für Mieter kaum nachrüstbar und in der Bedienung, wenn man sie wirklich nutzt, aufwendig

Foto: Anja, Pixabay License

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Förderprogramme umfassend nutzen oder kleinere Maßnahmen realisieren?

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Schaut man sich die staatlichen Förderprogramme an, so zeigt sich: Gefördert mit Zuschüssen und günstigen Krediten wird wirklich vieles, neben der energetischen Sanierung etwa auch die Nutzung neuer Energien, der Schutz vor Einbrechern und die Barrierefreiheit. Wichtig ist, sich zu informieren, bevor man zur Tat schreitet: Wer einfach so loslegt, kann seine Fördermöglichkeiten schnell verwirken.

Allerdings: Für jeden einzelnen Fall passen die Förderprogramme nicht unbedingt, etwa, wenn sie hohen Aufwand für externe Planung und Gutachten erfordern, den sich ein erfahrener Häuslebauer eigentlich sparen möchte. Also steht die Frage, was man tun kann, um hohe Heizkosten zu vermeiden, wenn man sich nicht in der Lage sieht, hohen Sanierungsaufwand zu betreiben beziehungsweise teure Sanierungskosten als Eigenanteil zu tragen. Jedoch: Alle simplen Maßnahmen zeigen nur begrenzt Wirkung. Vor allem bringen punktuelle Verbesserungen wenig, denn Wärme verhält sich wie Wasser: Ist ein Weg versperrt, fließt sie woanders ab, solange sie ein Schlupfloch findet.

Wärmedämmung mit Folgen

Ist das Haus aber fachlich korrekt gedämmt, zeigen sich andere Probleme, mit denen so mancher nicht gerechnet hat. Wenn etwa in der Übergangszeit im Herbst und im Frühjahr die Sonne ihre wärmenden Strahlen schickt, werden diese von einer guten Fassadendämmung abgewehrt und die Heizung wird stärker beansprucht, als es nötig wäre. Das kann zu einem Paradoxon führen: In bestimmten Gebäuden berichten Bewohner sogar von einem Heizkostenanstieg nach der energetischen Sanierung.

Wein weiterer Effekt: Im Sommer, wenn die Luft schon richtig warm ist, trägt die Sonne durch die Fenster zusätzliche Energie ins Haus ein – und innen wird ist es dann nicht nur schön warm, sondern es wird ganz einfach viel zu warm. Die Sonnenstrahlung bringt also die Wärme ins Haus und selbst in kühleren Nächten kann diese nicht mehr entweichen, das Haus wird wie ein Backofen aufgeheizt, weil die aufgeheizten Außenwände, wenn sie von außen gedämmt wurden, ihre gespeicherte Wärme nur noch nach innen abgeben können.

Wer für ein gutes Wohnklima nicht noch mehr Energie zur Kühlung per energiefressender Klimaanlage aufwenden möchte, erinnert sich vielleicht an das alte Prinzip des Fensterladens: Nachts geschlossen, um den Wärmeverlust zu bremsen – und zum Mittagsschlaf ebenfalls, dann aber, um Licht und Hitze abzuhalten. Dass angesichts der Klimaerwärmung Gebräuche aus den heißeren Ländern wie die Siesta in Spanien in Deutschland Einzug halten, ist so unwahrscheinlich nicht.

Am wirkungsvollsten Punkt ansetzen: den Fenstern

Nun ist es jedoch so, dass die meisten Häuser gar keine Fensterläden mehr haben. Dort, wo einst welche montiert waren, wurden sie oftmals entfernt – leider, denn Fensterläden sind ja auch ein Architekturelement, dass ein Haus sympathisch erscheinen lässt. Der Ansatz, an den Fenstern etwas gegen den Wärmeeintrag,vor allem aber gegen den Verlust von Wärmeenergie zu unternehmen, scheint vernünftig, handelt es sich doch in der Regel um jene Stellen in der Hausaußenhaut, an dienen die meiste Energie entweicht – dass eine Mauer mit ihren Dämmeigenschaften besser dämmt, liegt auf der Hand.

Andererseits: Die Wirksamkeit von Fensterläden in Bezug auf die Wärmedämmung ist begrenzt und Haus- wie auch Wohnungsbesitzer sind gut beraten, sich über die vielen Arten von Jalousien im Internet zu informieren. Grundlegend zu unterscheiden sind Plissees, die wie ein verstellbarer Fenstervorhang wirken, innen oder außen angebrachte Rollos und eben Jalousien, die heutzutage fast immer über verstellbare Lamellen aus Kunststoff, Aluminium oder Holz verfügen. Damit wird deutlich: Bei der Auswahl ist die Wärmedämmung nur einer der Aspekte, die beachtet werden wollen, vor allem innenarchitektonische Aspekte, der Sichtschutz und die Verdunkelungsmöglichkeiten spielen ebenfalls eine Rolle.

Unterm Strich

Wer energetisch Sanieren möchte, ist mit Rat vom Baufachleuten gut bedient, denn man kann richtig viel falsch machen. Vernünftig ist meist eine umfassende Sanierung. Wem ein solches Projekt aber zu groß ist, der sollte dort ansetzen, wo der erzielbare Effekt am größten ist und tatsächlich das Bild im Hinterkopf haben, dass Wärme dort entweicht, wo sich ihr der geringste Widerstand entgegenstellt.

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  • Quelle: Thomas Beier | Foto: cocoparisienne / Anja, Pixabay License
  • Erstellt am 21.11.2021 - 07:28Uhr | Zuletzt geändert am 21.11.2021 - 07:58Uhr
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