Neue Spreequerung mit touristischen Gimmicks

Neue Spreequerung mit touristischen GimmicksBautzen / Budyšin, 1. April 2022. Die Stadt Bautzen hat einen Plan: Sie möchte eine bis zu 120 Meter lange Brücke schlagen zwischen dem Protschenberg, wo viele Touristen anlanden, und der Ortenburg. Damit würde zugelich ein bequemer Zugang zur Altstadt geschaffen und Kraftfahrzeugverkehr von dort ferngehalten.

Symbolfoto: esudroff, Pixabay License

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Viele Ideen – Aprilscherze? – Planungsstand vorgestellt

Viele Ideen – Aprilscherze? – Planungsstand vorgestellt

Die Spreebrücke, Planungsstand vom 30. März 2022

Bildquelle: Stadtverwaltung Bautzen, © Schlaich Bergermann Partner

Unter modernen Aspekten ist die von der Stadt gewünschte attraktiv-kurze Verbindung zwischen der mit zahlreichen für die Touris interessanten Zielen gesegneten Bautzener Altstadt mit dem jenseits des Tales gelegenen Parkplatz samst Bürgerwiese nur die Kernfunktion des Bauwerks. Was heute jedoch mindestens ebenso bedeutsam ist, nennt man Erlebniswert.

Bevor der Ankömmling über die Spree hinweg das Langhaus der Ortenburg erreicht, soll er auf sein ganz persönliches "Abenteuer Bautzen" eingestimmt werden. Dafür kursieren viele ernstzunehmende Ideen, wie dem Bautzner Anzeiger ausgerechnet heute bekannt wurde:


    • Eine Bungee-Jumping-Anlage, die den Sturz tief hinein ins Tal der Spree und möglichst auch die Rückkehr ermöglicht, soll integriert werden.
    • Die bis zu zwölf Personen – maximal aber 800 Kilogramm – fassende Gondel einer "Spreeschaukel" soll mittels Aufzug von der Brücke aus erreichbar sein.
    • Ähnlich einem Skywalk wird der Gehweg der Brücke einen Abschnitt weit aus Glas hergestellt.
    • Für Spiele und Feste ist in der Andacht, Feuerwerksvorbereitungen fest zu installieren.
    • Schließlich soll an der Brücke eine umfassend-reichhaltige LED-Beleuchtung instaliert werden, die in Farbe und Animation frei programmierbar ist. Damit haben Städte wie Las Vegas oder Dubai seit Jahrzehnten gute Erfahrungen gemacht und warum sollte man diese außerhalb des Altstadtkerns nicht nachnutzen?

Weitere Ideen, wie etwa das sogenannte "Falltürerlebnis" und ein Paragliding-Startplatz, sollen jedoch nicht weiterverfolgt werden.

Entsprechend einem Stadtratsbeschluss und wurde nach entsprechender Ausschreibung das Unternehmen "Schlaich Bergermann Partner" beauftragt, mögliche Varianten des Brückenbauwerkes zu untersuchen und dann den Entwurf der Vorzugsvariante weiterzuentwickeln.

Das ist der Planungsstand

Der aktuelle Planungsstand wurde am 30. März 2022 im Stadtrat sowie der Öffentlichkeit vorgestellt. Demnach führt die aktuelle Brückenvariante als reine Fußgängerbrücke ebenerdig vom Protschenberg, wo ein Stützpfeiler vorgesehen ist, mit einer Steigung von höchstens drei Prozent barrierefrei direkt zum Langhaus auf der Ortenburgseite. Die Brücke soll das Langhaus durchqueren und im Hof im bereits vorhanden Gang zwischen Burgtheater und Verwaltungsgebäude ankommen. Langhaus und Burgwasserturm sollen so entwickelt werden, dass sie der Öffentlichkeit zugänglich werden.

Detailplanungen und Kostenermittlungen sollen bis zum dritten Quartal 2023 laufen, dazu gehören auch artenschutzrechtliche Begutachtungen, Brückenentwürfe, Baugrunduntersuchungen, Eigentümerfragen sowie fördermittelrechtliche Fragestellungen. Ein aussagekräftiger Entwurfsplan für das Teilprojekt Brücke ohne die noch offenen artenschutzrechtlichen, naturschutzrechtlichen und baugrundtechnischen Fragen soll jedoch bereits Ende August 2022 vorliegen. Die Überlegungen und Ermittlungen zum Teilprojekt Langhaus und Burgwasserturm sollen spätestens mit dem zweiten Quartal 2023 abgeschlossen sein.

Wer zahlt?

Ein Projektantrag für eine etwaige Strukturwandelförderung wird im Anschluss seitens des zuständigen Fachamtes in Abstimmung mit dem Freistaat Sachsen vorbereitet. Die Brücke soll – insofern sie von den Bautzener Bürgern gewollt ist – über einen Fördersatz von mindestens 90 Prozent aus der Strukturwandelförderung bezahlt werden, die restlichen zehn Prozent müssten aus dem Stadtsäckel kommen.

Der Ministerpräsident des Freistaates Sachsen Michael Kretschmer hat Oberbürgermeister Alexander Ahrens bereits seine Unterstützung zugesagt. Nicht nur bei der Beschaffung von Fördergeldern, sondern auch bei der Planung für das bisher im Eigentum des Freistaates befindliche Burgwasserturms und das Langhaus gab der Freistaat der Stadt grünes Licht; entsprechende Vereinbarungen sollen zeitnah getroffen werden.

Bürger entscheiden

Die letztendliche Entscheidung über den Bau kann ein Bürgerentscheid ergeben. Als Grundlage dafür sind allerdings detaillierte Planungen und Kostenberechnungen nötig. Das bestimmt die Sächsische Gemeindeordnung so, nach der vor einem Bürgerentscheid mindestens die Kosten und die Durchführbarkeit bekannt sein müssen.

Wann der Bürgerentscheid kommen könnte, ist noch weitgehend unklar: frühestens Ende 2022 oder ungefähr bis zum zweiten Quartal 2023. Der genaue Zeitpunkt kann erst dann vom Stadtrat beschlossen werden, wenn alle Details vorliegen. Läuft alles gut, könnte der Bau frühestens im Oktober 2025 starten und im November 2027 fertig sein.

Mehr:
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  • Quelle: red | Foto: English / esudroff, Pixabay License
  • Erstellt am 01.04.2022 - 14:56Uhr | Zuletzt geändert am 01.04.2022 - 16:02Uhr
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