Lauf in Radibor abgesagt

Lauf in Radibor abgesagtBautzen / Budyšin | Radibor / Radwor, 22. Juni 2018. Morgen sollte der Lauf um den Pokal des seligen Alois Andritzki (sorbisch: Alojs Andricki) stattfinden. Die zu geringe Zahl an Abmeldungen führte jedoch zu einer Absage, teilte der Vorsitzende des Cyrill-Methodius-Vereins e.V. mit Bedauern mit. Darüber informiert die Zeitschrift der katholischen Sorben "Katolski Posoł" (Katholischer Bote), die online auf Deutsch und auf Sorbisch verfügbar ist.
Abbildung: Feier der Seligsprechung von Alojs Andritzki vor der Kathedrale in Dresden am 13. Juni 2011. Foto: SchiDD, Lizenz: CC BY-SA 3.0 (Bild unverändert), via Wikimedia Commons

Wer war Alois Andritzki?

Der 1914 geborene Alois Andritzki wuchs in Radibor bei Bautzen auf und studierte in Paderborn Theologie und Philosophie. 1939 zum Priester geweiht, wurde er Kaplan an der Hofkirche in Dresden. Von einem damaligen Kollegen wurde er als diskussionsfreudig, sportlich, künstlerisch begabt und fröhlich beschrieben.

1941 wurde Andritzki, über den die Gestapo seit Jahren eine Akte führte, verhaftet und wegen "heimtückischer Angriffe auf Staat und Partei" angeklagt. Anlass der Verhaftung war, als nach einem Theaterstück, das er mit von ihm betreuten Jugendlichen aufgeführt hatte, die Gestapo die Namen der Teilnehmer notierte, sein Ausruf: "Das ist erst der Anfang, der Kampf geht noch bis aufs Mes­ser!" Außerdem wurde ihm vorgeworfen, dass er mit pol­ni­schen Kriegs­ge­fan­ge­nen die Messe gefei­ert hatte und ihnen die Gelegenheit zur Beichte gab. Das Vorgehen der Nazis erinnert an das der späteren "DDR"-Sozialisten, für die ebenfalls ein unbedachter Spuch Anlass für eine Verhaftung war. Ebenso erinnert das von Andritzki abgelehnte das Angebot der Nazis, im Gegenzug für seine Freiheit für sie zu arbeiten, an die Stasi.

Nach seiner Entlassung aus der Untersuchungshaft wurde er sofort wieder verhaftet und ins KZ Dachau gebracht. Dort erkrankte er Ende 1942 an Typhus. Im Sterben liegend bat der um die heilige Kommunion, worauf hin er am 3. Februar 1943 mit einer Giftspritze umgebracht wurde. Einen ausführlichen Lebenslauf Andritzkis hat der Cyrill-Methodius-Verein e.V. veröffentlicht. Alojs Andritzki wurde am 13. Juni 2011 selig­ge­spro­chen. Wer sich dem Menschen Alojs Andritzki nähern möchte, findet hier einen guten Zugang.

Tipp:
Junge Leute, die sich für das Leben in der Diktatur interessieren, sind im Menschenrechtszentrum Cottbus richtig. Hier haben politische Gefangene der "DDR" ihr eigenes Zuchthaus gekauft und eine moderne Ausstellung installiert. Zudem finden hier viele Veranstaltungen statt.

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  • Zuletzt geändert am 22.06.2018 - 08:20 Uhr
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