Tierschutz, falsch verstanden?

Tierschutz, falsch verstanden?Bautzen / Budyšín, 7. Juli 2022. Tierhalter und Tierschützer können sich oftmals sehr einig sein, aber manchmal auch diametral gegenüberstehen, vor allem, wenn es um die gewerbliche Tierhaltung – Stichwort Nutziere – geht und erst recht bei großen Stallanlagen.

Abb.: Redaktionshund Rudi Rabauke wacht hinter dem Hoftor

Foto: © Görlitzer Anzeiger

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Tierhaltung und Tierernährung müssen art- und nicht menschengerecht sein

Bestimmte Missstände in der Massentierhaltung müssen immer wieder angeprangert werden, denn es sind nicht "nur Tiere". Weitestgehend unstrittig ist mittlerweile, dass die beim Menschen bekannten Emotionen auch bei Säugetieren und Vögeln grundsätzlich nachweisbar sind. Wer Haustiere – etwa einen Hund – hält, der weiß, dass Freude und Wut, Ärger und Schmerz, Angst und Trauer, Scheu, Scham und Schuldgefühle auch dem Tier eigen sind.

Die Schwäche der Vernunft

Analysiert man konkrete Verhaltensweisen von Menschen, dann wird deutlich, dass auch sie großenteils von den im Stammhirn verorteten Ur-Instinkten wie Fress- und Vermehrungsdrang sowie Angriff oder Flucht, ergänzt um die weitgehend unkontrollierte Emotionen des Zwischenhirns, gesteuert sind. Die Vernunft der Großhirns ist im Grunde eine Folgenabschätzung: der Trieb ruft zur Tat, doch das Großhirn bremst: Erstens darfst du das nicht und zweitens gibt es, wenn du es dennoch tust, riesigen Ärger.

Allerdings kann die Vernunft schnell von den in der Evolutionen älteren Hirnbereichen überlagert wird – im Gegenteil: Menschen nehmen immer wieder sehenden Auges schwere Nachteile in Kauf, weil alte Instinkte dazu zwingen. Wer wollte bestreiten, dass ein Sieg der Vernunft dazu führen würde, dass Kriege und teils über Generationen vererbte Nachbarschaftsstreitigkeiten wie auch ungesunde Lebensweisen aussterben würden?

Der Mensch als vernunftbegabtes Tier

Da die Vernunft das menschliche Verhalten also nur schwach beeinflusst, ist der Mensch dem Tier – vor allem dem Säugetier – näher, als mancher wahrhaben möchte. Man könnte auch sagen: der Mensch ist das einzige Säugetier mit einem ausgeprägten Großhirn. Schon deshalb aber sollte der Mensch mit Kreaturen, die er als Nutztiere bezeichnet, artgerecht umgehen.

Nutztiere haben das Geschenk des Lebens

Nichts gegen Nutztiere: Nur weil etwa Schafe wirtschaftlich genutzt werden erleben viel mehr von ihnen das Wunder des Lebens. Würden sie nicht genutzt, gäbe es sie nicht. Artgerechte Haltung vorausgesetzt und als Lebensende eine schonende Tötung, die das Siechtum oder das zum Jagdopfer werden erspart, sind Voraussetzung für die Haltung von Nutztieren und damit das Geschenk des Lebens für sie.

Auch bei Haustieren geht es um die artgerechte Haltung. Hunde etwa brauchen Auslauf und die Akzeptanz durch Bezugspersonen. Falsch verstandene Tierliebe, vor allem die Vermenschlichung im Umgang mit Haustieren, ist fehl am Platze. Spätestens hier ist der Punkt erreicht, an dem naive Tierschützer – die den Umgang mit einem Tier und dessen Erziehung nach menschlichen Maßstäben wünschen – und erfahrene Tierhalter aufeinanderprallen.

Ein Erlebnis

Redaktionshund Rudi hat eine Marotte: Wenn ihn beim Spaziergang etwas brennend interessiert, etwa eine herumstolzierende Katze oder ein Täubchen, dann legt er sich hin und schaut zu. Ja, in dieser Beziehung ist das schlechte Erziehung, aber soll er doch seinen Spaß haben. Nur einmal, auf der Fahrbahn, musste er angesichts eines sich rasch nähernden Autos mit einiger Kraftanstrengung weggezogen werden auf den sicheren Gehweg.

Eine nach eigener Ansicht Tierfreundin, die das sah, blockierte mittels körpereigener Hormone blitzschnell ihr Großhirn und damit ihren Verstand und rastete aus; detaillierter soll das nicht beschrieben werden. Für das Argument, dass der Hund ansonsten vielleicht überfahren worden wäre, war sie nicht zugänglich.

Vermutlich kommt es recht oft vor, dass im Glauben, dem Tier Gutes zu tun, ihm geschadet wird. Wem fallen jetzt nicht überfressene Hauskatzen ein, deren Wanst wie ein Bio-Mopp übers Parkett gleitet?

Dem Tier Gutes tun

Seinem Haustier Gutes tun kann man auf andere Weise. Artgerechter Umgang mit ihm und Spielmöglichkeiten für das Tier sind wichtig, ebenso ein zugeschnittene Ernährung. Als Nahrungsergänzung ist Lachsöl beliebt, das bei Katzen, Hunden und Pferden dem Fell, den Knochen und dem Stoffwechsel guttun soll. Das wertvolle Fischöl wird nach Körpermasse in Tropfenform dosiert; auf einer Webseite für Lachsöl für Hunde, Katzen und Pferde finden sich neben einer ausführlichen Beschreibung auch eine Fütterungsempfehlung und Angaben zur Zusammensetzung sowie Antworten auf Anwenderfragen.

Wohl jedes Säugetier liebt eine vertraute Umgebung, im Haus oder der Wohnung das Katzenkörbchen oder die Hundewanne samst Hundematte. Dies sollte man an einem festen Ort bereitstellen und dafür Sorge tragen, dass das Tier an seinem Rückzugsort oder Refugium nicht gestört wird.

Tipp:
Die für Autos gedachten Hundeboxen werden von den Tieren über Nacht auch im Haus bevorzugt. Ist man woanders zu Gast, schläft der Hund ohne weiteres in der verriegelten Box und streunt nicht nachts durch die Räume. Für besorgte Tierschützer: Ja, er ist eingesperrt, empfindet das aber nicht so – sonst würde Langschläfer Rudi morgens bei geöffneter Tür nicht noch etwas in seiner Box bleiben wollen.

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  • Quelle: TEB
  • Erstellt am 07.07.2022 - 21:18Uhr | Zuletzt geändert am 07.07.2022 - 22:51Uhr
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