Klimawandel, Energiepreise: Jetzt wird es ernst

Klimawandel, Energiepreise: Jetzt wird es ernstBautzen / Budyšín, 9. August 2022. Von Thomas Beier. Dass der Klimawandel nicht einfach nur herbeifabuliert ist, dürfte mittlerweile auch dem Begriffsstutzigsten auffallen und das Argument, Klimawandel habe es schon immer gegeben, ist zwar richtig, nutzt angesichts der Realitäten jedoch rein gar nichts.

Abb.: Sandsäcke – hier nach einem Starkregen-Ereignis in der Oberlausitz im Jahr 2013 – sind oft eher eine psychologische Beruhigung als tatsächlicher Gebäudeschutz

Archivbild: © Görlitzer Anzeiger

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Den Realitäten ins Auge schauen und keine Ausweichpolitik machen

Die Realitäten liegen auf der Hand: Die diesmalige Verlagerung des Jetstreams – nur ein Teil des höchst komplexen Wettergeschehens – hat uns einen langen, heißen und trockenen Sommer beschert mit Waldbränden und Wasserknappheit. In diesen Tagen fließt die untere Spree rückwärts, ein Phänomen, das erst seit dem Jahr 2010 auftritt, dafür seitdem aber oft.

Eine weitere Folge dieses Sommers: Bestimmte Baumarten können weniger Kohlendioxid aus der Luft aufnehmen, um im Zuge der Photosynthese daraus Glucose und Sauerstoff zu bilden. Während in vielen Ländern versucht wird, weniger Kohlendioxid freizusetzen, wirkt die Hitze kontraproduktiv, indem mehr Kohlendioxid in der Luft verbleibt und die Erderwärmung weiter vorantreibt.

Kohlendioxid als Stellhebel

Warum überhaupt diese ständige Betonung, weniger Kohlendioxid zu erzeugen und freizusetzen? Die Antwort ist ebenso einfach wie ernüchternd: Dieses Gas ist der einzige Hebel, mit dem Menschen überhaupt versuchen können, klimatische Veränderungen zu beeinflussen. Wasserdampf hingegen trägt zwei- bis dreimal mehr als Kohlendioxid zum Treibhauseffekt bei.

Die einzigen Treibhausgase, die wirklich nur vom Menschen verursacht worden sind, das sind die Fluorkohlenwasserstoffe (FCKW), alle anderen kommen auch in der Natur vor und wurden vom Menschen höchstens zusätzlich in die Atmosphäre gebracht. Dennoch gut zu wissen: Alle Treibhausgase außer der Wasserdampf und das Kohlendioxid werden in der Atmosphäre auf natürliche Weise wieder abgebaut. Das sollte man als Hintergrund zur oft ideologisch verengten Kohlendioxid-Diskussion wissen, andererseits unterstreicht dieses Wissen die Notwendigkeit, weniger Kohlendioxid freizusetzen.

Dass allerdings Straßenbäume, die nicht nur Schatten spenden, sondern auch weit mehr Kohlendioxid aufnehmen als reine Grünflächen, im Landkreis Bautzen – Stand 2009 – zum Wohle des Kraftverkehrs öfter abgeholzt als neu gepflanzt werden, das verstehe, wer kann.

Gibt es eine gesellschaftliche Lösung?

Ein Ansatz wäre, durch stärkere freiwillige Geburtenkontrolle das zahlenmäßige Wachstum der Menschheit erst zu verlangsamen, dann zu stoppen und schließlich einen Schrumpfungsprozess einzuleiten. Immerhin hatte bei den rund drei Milliarden Menschen im Jahr 1960 niemand das Gefühl, einsam zu sein oder die Menschheit könne aussterben. Seither kommt rund aller zwölf Jahre eine weitere Milliarde an Menschen hinzu, im Jahr 2023 sollen dann acht Milliarden Menschen die Erde bevölkern.

Auch die Entwicklung in Deutschland darf in diesem Zusammenhang diskutiert werden: Ist es richtig, ständig über den vielzitierten "Fachkräftemangel" vom Facharbeiter bis zum Arzt zu klagen und darüber, dass immer weniger gesetzlich Rentenversicherte immer mehr Rentner finanzieren müssen? Müsste man nicht dankbar sein über jeden jungen Selbständigen, der nicht in die Rentenkasse einzahlt, weil er im Alter, wenn das Verhältnis zwischen Einzahlern und Anspruchsberechtigten noch ungünstiger sein wird, keine Ansprüche an die Kasse stellt? Und – auch diese Frage muss erlaubt sein – wäre es nicht besser, statt anderen Ländern Fachleute wegzunehmen und teils mühsam zu integrieren, sich auf eine schrumpfende Gesellschaft, die weniger Ressourcen verbraucht, einzustellen?

Auf Wunder ist kein Verlass

Sich auf politische Lösungen oder die Vernunft möglichst vieler zu verlassen, das wäre ein Vabanquespiel. Binnen weniger Monate wurde aus Erdgas als sicherem, sauberem und effizientem Energieträger eine Einsparmasse. Plötzlich wird die Ölheizung empfohlen, obgleich der Einbau neuer Kessel ab 2026 verboten ist. Und – Nanu! – Wärmepumpen sind im Kommen – bislang waren sie in vielen praktischen Einsatzfällen als wenig effizient verschrien. Dennoch wird ihr Einbau – vermutlich aus ideologisch-politischen Gründen – weiter auch ab dem 15. August 2022 stark mit Steuergeldern – bis zu 40 Prozent – subventioniert.

Bei vielen, die sich aktuell angesichts der sich aufbauenden Energiekrise bemüßigt fühlen, irgendetwas unverdaut Nachgeplappertes – á la “Wir müssen weniger Kohlendioxid verbrauchen!” – von sich zu geben, möchte ich am liebsten meinen geschätzten Chemie- und Werkstoffkundelehrer zitieren: “So kann man’s sagen, es ist aber falsch!” – ebenso falsch übrigens wie das Regieren mit immer neuen Auflagen und Belastungen. Wie wäre es mit einem Bonus für alle, die von November bis April zwanzig Prozent ihres durchschnittlichen Energieverbrauchs der drei Vorjahre einsparen? Dann müsste Vater Staat in Vorleistung gehen, um Uniper & Co. zu retten, was angesichts sprudelnder Steuereinnahmen – Stichwort hohe Preise und Umsatzsteuer – im Topf sein sollte.

Was der Einzelne tun kann

Was der Einzelne angesichts der zu erwartenden mit extremen Preissteigerungen verbundenen Energieknappheit, und – zurück zum Thema – des Klimawandels tun kann, hängt freilich stark von den persönlichen Lebensverhältnissen ab.

Besonderere Verantwortung tragen Immobilienbesitzer, für die bestimmte Investitionsansätze, sofern noch nicht realisiert, im Raum stehen:


    • Installation von Photovoltaik und Solarthermieanlagen. Photovoltaik liefert auch an vielen Wintertagen elektrischen Strom, der zum Heizen genutzt werden kann. Solarthermie hingegen sorgt vor allem im Sommer für Warmwasser, mit dem sogar Waschmaschine und Geschirrspüler weniger Energie verbrauchen.

    • Wo noch fehlend und sinnvoll: Wärmedämmung unter fachlicher Beratung vornehmen beziehungsweise vornehmen lassen.

    • Ein weiterer Weg ist die Reaktivierung, Sanierung oder Neuinstallation von Schornsteinen, um – besonders im Notfall – Kaminöfen betreiben zu können. Mit wasserführenden Kaminen kann die Heizungsanlage entlastet werden. Ideale Voraussetzung ist freilich der Zugang zu günstigem Brennstoff, etwa durch eigenen Holzanbau.

    • Gebäude wetterrobust machen. Hier geht es vor allem um Sturmfestigkeit und den Hochwasserschutz. Gerade bei Starkregenereignissen und bei mäßigen Überschwemmungen bewähren sich unterschiedliche Hochwasserschutzsysteme.

Tipp:
Man muss mit einigem Aufwand suchen, um Informationen über Hochwasserschutzsysteme finden zu können. Inzwischen haben sich jedoch professionelle Dienstleister etabliert, die das entsprechend der Gegebenheiten vor Ort übernehmen und Angebote bereitstellen.


Wohnungsbesitzer als Mieter haben weniger Gestaltungsmöglichkeiten – und dennoch lohnt es sich zu schauen, welche Energieverbraucher mit einer sogenannten Balkon-Solaranlage gespeist werden können. Schon mit einer Campinganlage können ein Laptop am Laufen gehalten und Handys aufgeladen werden. Bei täglich stundenlanger Nutzung solche Geräte – etwa im Home Office – können spürbare Effekte geerntet werden. Wer eine "elektrische Ader" hat, kann auf diese Weise mit vergleichweise wenig Aufwand Insellösungen schaffen, die zur Entspannung beitragen.

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  • Quelle: Thomas Beier | Foto: © Görlitzer Anzeiger
  • Erstellt am 09.08.2022 - 20:51Uhr | Zuletzt geändert am 09.08.2022 - 21:40Uhr
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