Die vier Leben des Benedykt Szuminski

Die vier Leben des Benedykt SzuminskiBautzen / Budyšín, 10. August 2020. Das Schicksal des Benedykt Szuminski könnte an den Londoner Bankier Thomas Lieven aus Mario Simmels Roman "Es muss nicht immer Kaviar sein" erinnern, nur ging im geteilten Deutschland das Spiel für Szuminski nicht mit einer neuen Identität, sondern mit der Verurteilung zu 15 Jahren Zuchthaus aus, wie das Neue Deutschland am 14. Juni 1955 jubelte.

Abb.: In der Gedenkstätte Zuchthaus Bautzen

Foto: © BeierMedia.de

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Ein Pole im Zuchthaus Bautzen

Mehr zu erfahren über Benedykt Szuminski ist im Buch "Konzentrierte Schläge: Staatssicherheitsaktionen und politische Prozesse in der DDR 1953–1956" von Karl Wilhelm Fricke und Roger Engelmann, erschienen im Ch. Links Verlag, Berlin, ab Seite 145.

Künstlerisch-wissenschaftliche Performance zu Szuminski

Am 20. August 2020 kommt nun eine einwöchige künstlerische Recherche in der Gedenkstätte Bautzen, dem früheren Zuchthaus, in dem Szuminski einsaß, mit künstlerisch-wissenschaftlichen Performance, zu der ein Konzert gehört, zum Abschluss: "Kommen und Gehen" – Das Sechsstädtebundfestival! und die Gedenkstätte Bautzen laden dazu einer ein. Sechs Künstler reflektieren das Schicksal des Häftlings Benedykt Szuminski.

Zur Vorbereitung erschließen sich in der Woche vor der Aufführung Luise Enzian (Harfe), Frank Pschichholz (Gitarre), Chris Fisher (Elektronik), Etienne Aweh (Tanz), Franziska Pohl und Sophie Herwig (Performance) die gedenkstätte Bautzen nicht nur als Erinnerungs- und Lernort, sondern auch Inspirationsquelle und künstlerischen Wirkungsraum. Wissenschaftlich unterstützen dabei Mitarbeiter der Gedenkstätte. So entsteht ein Beitrag zu einer zeitgemäßen Erinnerungskultur, die emotionale Zugänge durch Künste öffnet.

Benedykt Szuminskis – ein Schicksal unter der linken Diktatur

Im dritten Jahr der Zusammenarbeit zwischen dem Sechsstädtebundfestival und der Gedenkstätte Bautzen steht die Biografie des Häftlings Benedykt Szuminskis im Mittelpunkt der Produktion. 1924 in Bromberg (heute Bydgoszcz) geboren kam er in den 1950er Jahren nach Westdeutschland. Im Dienst verschiedener Geheimdienste erhielt er drei Alias-Namen – die unterschiedlichen Personaldokumente spielten bei seiner Verhaftung in Berlin neben anderen Auffälligkeiten eine Rolle. Die Künstler erschießen sich die Person und die Person Szuminski anhand der Gerichtsakte sowie weiterer zeitgenössischer Dokumente und werfen damit ein Licht auf das Leben eines Grenzgängers im Europa des Kalten Krieges.

Prädikat: Hingehen!
Donnerstag, 20. August 2020, 19.30 Hhr,
Gedenkstätte Bautzen, Weigangstraße 8a, 02625 Bautzen

Der Eintritt in die Gedenkstätte und zur Veranstaltung ist frei, Zählkarten sind nur im Vorverkauf unter tickets.kommenundgehen.org oder unter Angabe von Kontaktdaten an mail@kommenundgehen.org abrufbar.

Alle Konzerte werden unter live.kommenundgehen.org kostenlos gestreamt. Fördermittel im Spiel: Die Artistic Research und das Konzert werden ermöglicht durch die Förderung der Bundeszentrale für Politische Bildung und des Kulturraums Oberlausitz-Niederschlesien.

Über das Festival

"Kommen und Gehen" – Das Sechsstädtebundfestival! findet 2020 vom 14. bis zum 22. August und zum dritten Mal statt. Es geht aus vom historischen Bündnis der Sechsstädte Bautzen, Görlitz, Kamenz, Löbau, Lauban (heute Lubań) und Zittau und sucht sowohl im vielfältigen regionalen Kulturerbe als auch in der Begegnung unterschiedlicher musikalischer Stile und Kunstformen nach den Möglichkeiten einer nachhaltigen Regionsentwicklung durch Kultur.

Im Jahr 2020 wird das Festival gefördert vom Kulturraum Oberlausitz-Niederschlesien, von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, der Landesdirektion Sachsen, der Bundeszentrale für politische Bildung, der Initiative "Musik für alle" im Förderprogramm "Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung", der Stiftung für das sorbische Volk, der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit, vom deutsch-tschechischen Zukunftsfonds, dem VIA REGIA Begegnungsraum Landesverband Sachsen e.V., den Partnerschaften für Demokratie der Stadt Zittau sowie der Stiftung der Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien und von den Städten Bautzen, Görlitz, Kamenz, Löbau, Lauban und Zittau sowie vom Landkreis Görlitz. Es steht unter der Schirmherrschaft des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft, Kultur und Tourismus und wird unterstützt vom Sächsischen Musikrat.

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  • Quelle: red | Foto: © BeierMedia.de
  • Erstellt am 10.08.2020 - 11:04Uhr | Zuletzt geändert am 10.08.2020 - 11:55Uhr
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