Für Kostentransparenz in allen Bereichen

Für Kostentransparenz in allen Bereichen Bautzen / Budyšin, 6. April 2022. Von Thomas Beier. Eine der vermutlich häufigsten Lügen ist die Behauptung, eine bestimmte Leistung sei kostenlos. Gemeint ist damit, dass der Empfänger einer Dienstleistung oder Ware dafür nichts zahlen muss; gleichwohl entstehen jedoch Kosten und es lohnt immer wieder einen Blick darauf, wer diese Kosten und wofür genau letztendlich zahlt.

Abb.: Längst ist eine Fördermittelindustrie entstanden mit unterschiedlichsten Programmen und Ansprechpartnern, eigenen Banken, speziell zertifizierten Beratern und einer Vielzahl an Gremien

Symbolfoto: bertholdbrodersen, Pixabay License (Bild bearbeitet)

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Bildung und Umwelt subventionsgeschädigt

"Was nichts kostet, ist nichts wert!", ist eine Volksweisheit, wie wohl jeder kennt – und dennoch: Wer als Leistungsanbieter etwa im Bildungsmarkt mit bezuschussten Anbietern, die ihre Kosten nicht weitergeben müssen, konkurriert, der kennt das elende Gefühl, wenn der erhoffte Kunde sagt, er gehe lieber zu einem anderen Anbieter, weil der ja gefördert werde und seine Leistung daher "kostenlos" oder weit günstiger erbringt. Dass die auf Fördermittelbasis erbrachte Gesamtleistung oft die schlechtere ist, spielt dann keine Rolle mehr – es sei denn, der ungeförderte Anbieter erzeugt mit exzellenter Leistung das, was man einen zwingenden Nutzen nennt.

Auch in anderen Bereichen wirken Fördermittel kontraproduktiv, etwa im Umweltschutz. Während Klima- und Umweltschutz maßgeblich zu großen Umbrüchen etwa in der Energieversorgung beitragen, hat das Umweltbundesamt erst 2021 seine Unterlage "Umweltschädliche Subventionen in Deutschland" (Texte 143/2021) aktualisiert. Auch hier zeigt sich anhand vieler aufgelisteter Fälle, dass Fördermittel kontraproduktiv wirken können. Läuft da was schief? Gewaltig.

Kostentransparenz schafft Effizienz

Immer wieder zeigt sich: Wo Kosten transparent sind und ohne Zuschüsse gewirtschaftet wird, stellt sich eine günstigeres Preis-Leistungs-Verhältnis ein als dort, wo insbesondere öffentliche Quellen fließen. Eine große Rolle spielt dabei, dass ein selbst zahlender Kunde natürlich ganz anders motiviert ist, eine gebotene Leistung einzufordern und zu nutzen.

Beispiele gibt es viele. Wenn etwa Gesetzlich Versicherte angesichts der Privaten Krankenversicherung gern über die "Zwei-Klassen-Medizin" schimpfen, dann vergessen sie, dass die Private Krankenversicherung ohne staatliche Zuschüsse auskommt, die privat Krankenversicherten das gesetzliche System mit ihren Steuerzahlungen jedoch bezuschussen und zudem über die faire Bezahlung ärztlicher Leistungen Investitionen in Medizintechnik ermöglichen, von denen auch gesetzlich Versicherte profitieren. Macht es nicht nachdenklich, dass der Privatversicherte eine transparente und zwecks Erstattung einzureichende Rechnung erhält über die in Anspruch genommenen Gesundheitsdienstleistungen, während der gesetzlich Versicherte eben nichts davon erfährt, was auf seinen Namen abgerechnet wird?

Wie viel ist kostenlose Hochschulbildung wert?

Ein weiteres Beispiel liefert der Bildungsmarkt. Werden Arbeitslose zu einer "Bildungsmaßnahme" verpflichtet, wirken mehrere Faktoren zusammen: Können Betroffene mit der Maßnahme kein persönliches Ziel, sprich im Ergebnis eintretenden konkreten Nutzen verbinden, ist die Motivation, sich eine Leistung einzufordern, nur gering – und es ist ja auch egal, weil man nicht selbst zahlt. Mehr noch: Das einzig Abverlangte, der Zeiteinsatz und die Lust auf Wissen, wird oft genug auch noch als lästig empfunden.

Anders ist es, wenn sich jemand selbst für eine Weiterbildung oder den Erwerb höherer Bildung entscheidet, etwa zu einem Studium an einer öffentlichen Hochschule. Dann verbindet er gewöhnlich ein berufliches Ziel damit – und sei es zunächst nur, das Studium über möglichst viele Semester auszudehnen. Hier trägt die öffentliche Hand die Kosten eines Studiums zum allergrößten Teil. Das führt zu einem Studium mit vielen Freiheiten, allerdings unter anderem auch zu überfüllten Hörsälen.

Beim Studium an privaten Hochschule steht für den Studieninteressenten zuerst die Geldfrage: Hier müssen die Studenten Studiengebühren bezahlen; als Einstiegspreis gelten etwa 2.000 Euro monatlich, oft jedoch ein Mehrfaches davon. Achten sollte man darauf, dass sowohl die private Hochschule als unbedingt auch auch der jeweilige Studiengang staatlich anerkannt sind. Als wichtigste Vorteile einer privaten Hochschule gelten der Fokus auf die Persönlichkeit des Studenten, kleine Lerngruppen, ein gut organisiertes und zügig zu absolvierendes Studium, die moderne Ausstattung und gute Kontakte zur Wirtschaft.

Wer beruflich zielstrebig – also in überschaubarer Zeit – vorankommen möchte und die Vorteile der privaten Hochschulbildung zu überschaubaren Kosten nutzen möchte, für den könnte sich ein Fernstudium als beste Option erweisen. Je nach Anbieter ist das in Vollzeit sowie dual und berufsbegleitend möglich. Was ein Fernstudium kosten darf, hängt vom Bildungsziel wie Bachelor oder Master ab und der Studiendauer, die man sich selbst genehmigt.

In der Wirtschaft sind Absolventen von Fernstudiengängen gern gesehen: Oft wird die Studienentscheidung auf Basis beruflicher Erfahrungen getroffen und mit klaren Zielen verbunden. Das führt zu effektivem Lernen. Anerkannt wird zudem die Eigeninitiative auf dem Karriereweg. Bleiben die unmittelbar anfallenden Kosten, die jedoch deutlich geringer als bei einem Präsenzstudium sind und durch von Fall zu Fall durch Stipendien, Studienkredite, Steuervergünstigungen oder Förderprogramme abgefedert werden können.Hier hilft, sich umfassend zu informieren und das gebotene Instrumentarium auf die eigenen Verhältnisse zuzuschneiden.

Resümee

Erfolg wird nicht geschenkt. Dennoch erscheint in vielen Bereichen – etwa in Kultur und Sport, in der Forschung, selbstverständlich in der öffentlichen Bildung und bis hin zur Investitionstätigkeit in der Wirtschaft – sie Situation so, als ob Fördermittel zwingend notwendig seien und das im immer größeren Umfang. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, als ob sich gerade im Osten des wiedervereinigten Deutschlands eine Fördermittelmentalität herausgebildet hat, die sogar unternehmerische Entscheidungen überlagert. "Wenn sie Fördermittel mitbringen, können Sie wiederkommen", berichtete ein verdatterter Anbieter von der Antwort eines Löbauer Unternehmers auf sein Angebot. Da läuft was gewaltig schief.

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  • Quelle: Thomas Beier | Foto: bertholdbrodersen, Pixabay License (Bild bearbeitet)
  • Erstellt am 06.04.2022 - 15:53Uhr | Zuletzt geändert am 06.04.2022 - 16:46Uhr
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