Erinnerungen an Heidelberg

Erinnerungen an HeidelbergBautzen / Budyšín, 20. August 2022. Von Thomas Beier. Der Görlitzer Anzeiger, eine der Schwesterausgaben des Bautzner Anzeigers, geht gern auf Reisen und berichtet dann aus "dem Lande anderswo". Warum soll es der Bautzner Anzeiger ihm nicht gleichtun und ebenfalls verreisen?

Abb.: Blick auf die Heidelberger Altstadt

Foto: Peter H, Pixabay License

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Woran man bei “Heidelberg” denken muss

Woran man bei “Heidelberg” denken muss

Links die Ruine des Heidelberger Schlosses

Foto: Markus Fischer, Pixabay License

Allerdings hat der Görlitzer Anzeiger unter dem Stichwort "woanders" schon aus so einigen Städten zwischen Dorfen und Enschede berichtet, aber andererseits gibt es noch reichlich weiße Flecken – zum Beispiel Heidelberg. Diese Wahl ist nicht ganz zufällig, ist Heidelberg doch nicht nur Partnerstadt von Bautzen, sondern eine Art Schicksalsstadt für mich, wenn man ein so großes Wort benutzen möchte.

Also, was fällt ein zu Heidelberg? Da gab es doch ein Lied… Google, hilf! Zack, ganz oben in den Suchergebnissen “Ich hab mein Herz in Heidelberg verloren” mit Heinz Maria Lins (1916-2020), der nicht nur mit “In einer kleinen Konditorei” bekanntgeworden war, sondern eben auch mit diesem Heidelberg Schlager aus dem Jahr 1925, der im Stil der 1950er Jahre allerdings eher an einen schmissigen Marsch erinnert. Das soll meine erste Bekanntschaft mit Heidelberg gewesen sein?

Minuten später sind die Zweifel zerstreut. Wer in meinem Hinterkopf herumschwirrte war Peggy March mit ihren "Memories of Heidelberg", einem Ohrwurm aus dem Jahr 1968, als es neben Beat- und Rockmusik selbstverständlich grundsolide Schlager gab. Dass der Singezahn mein Leben beeinflusst hat, das wäre allerdings falsch.

Bekanntschaft mit der EKS

Nein, wirklich beeinflusst hat mich ein Seminar der damaligen EKS-Akademie Schloss Eschenau in Obersulm, das 1994 in Heidelberg stattfand. Seminarleiter war der legendäre Hans F. Oberhollenzer, der gemeinsam mit Hans Bürkle und dem Urheber der Energokybernetischen beziehungweise Enpasskonzentrierten Strategie Wolfgang Mewes die EKS-Akademie aufgebaut hatte.

Damals erkannte ich den Wert von Denksystemen. Damit ist gemeint, bei einem Problem nicht über irgend etwas nachzudenken, was vielleicht naheliegend erscheint oder einem gerade in den Sinn kommt, sondern zunächst ein System zu entwickeln, mit dessen Hilfe das Denken erfolgversprechender und schließlich effizienter in Richtung einer optimalen Problemlösung gelenkt wird. Dieser im Rückspiegel einfache Gedankengang hat mein Berufsleben völlig verändert.

Man kann sich vorstellen, dass dieses Knowhow für einen Freiberuflichen Unternehmensberater – gerade in Sachsen und den angrenzenden Bundesländern – ein deutlicher Wettbewerbsvorspung war, der zu Anziehungskraft auf Kunden führte, darunter die Geschäftsleitungen von Stadtwerken, Industriebetrieben, Handwerksbetrieben, Dienstleistern sowie Startups.

EKS-Prinzipien gelten auch heute

Entsprechend lacht mir noch heute das Herz im Leibe, wenn ich – wie nun in Heidelberg – auf Unternehmen stoße, die sich nach den Regeln der klassischen Strategielehre erfolgreich entwickeln. Eine dieser Regeln lautet, das brennendste Problem der Zielgruppe zu finden und dort mit Lösungen anzusetzen.

Wenn ein aufstrebender Immobilienmakler Heidelberg als Immobilienmarkt für sich erschließen möchte, so hat er im Grunde zwei Möglichkeiten: Entweder er geht auf Kundensuche und wirbt mit den üblichen Versprechungen wie Engagement und Zuverlässigkeit – beides sind übrigens keine Vorzüge, sondern Selbstverständlichkeiten – oder er überlegt sich, welches das brennendste Problem seiner Zielgruppe ist. Im Grunde liegt es für jeden, der schon einmal Immobilien verkauft hat, auf der Hand: Fast immer dauert es viel zu lange bis zum Verkauf und überhaupt ist der Aufwand weit höher als erwartet. Hinzu kommt, dass mancher Makler, sobald der Auftrag erst einmal gesichert ist, vielleicht ein wenig an Elan verliert.

Sind es da nicht für Kunden wirksam Argumente, wenn jemand ernsthaft zusagen kann, eine Immobilie binnen eines Monats zu verkaufen, stets erreichbar zu sein, die Bürokratie abzunehmen, die oft lästigen Besichtigungen zu managen und nicht zuletzt einen sehr guten Preis zu erzielen? Wie blass sind dagegen die oft zu hörenden allgemeinen Versprechungen!

Unter dem Strich

Wer als Unternehmer vorankommen will, muss eine Unternehmensstrategie erarbeiten und immer wieder anpassen, denn Rahmenbedingungen ändern sich heute schnell – und dennoch geht es nicht ohne Strategie. Hier ist es sinnvoll, Berater hinzuzuziehen, die sich in der Strategielehre, in der Neuroökonomie und Entwicklungsprozessen inklusive der Anwendung der passenden Denk- und Entwicklungssysteme auskennen. Wer meint, in einer Person Denksysteme gestalten und zugleich anwenden zu können, stößt schnell an Grenzen und läuft Gefahr, Ressourcen zu vergeuden.

Der Autor Thomas Beier hat 1994 die freiberufliche geführte Unternehmensberatung Beier Consulting gegründet und sich auf die Strategie- sowie Personal- und Organisationsentwicklung spezialisiert.

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  • Quelle: Thomas Beier | Foto Altstadt: Tama66 / Peter H, Pixabay License; Foto Dämmerung: Markus_KF / Markus Fischer, Pixabay License
  • Erstellt am 20.08.2022 - 17:00Uhr | Zuletzt geändert am 22.08.2022 - 09:27Uhr
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